ERWITTERN vb. mhd. erwitern.
präfixbildung zu wittern
vb. 1
erfrischen, sich erholen, ermuntern; bes. die augen an etwas erfreuen, erlaben: ⟨u1285⟩ des wart dâ güebet ritterschaft/ rîlicher vil denn anderswâ./ wer hæte willeclichen dâ/ gestriten und gevohten,/ dâ sich nâch wunsche mohten/ oug unde herze erwittern Konrad v. Würzburg
trojan. krieg 34091 LV. ⟨u1348⟩ o du so reht luͤtzeliger spiegel aller gnaden, in dem die himelschen geiste ir oͮgen ermeient und erwitterent Seuse
208 B. 1469 er machet vff solchen weck/ mit worten die verzagten keck,/ .. guͤtlich wincket er mit der hend/ vnd sagt den synen: ‘gebend end,/ vnd eilt den veinden all mit ein/ in rechter ordenung hin gein/ frischlichen, vnverzittert,/ daz uwer hertz werd erwittert’ Beheim
reimchr. 397,6 H. ⟨1536⟩ eins mals an sanct Matheus tag/ .. ich alters-allein müssig saß/ inn eynem lustgarten, und was/ mein augen inn der grün erwittern,/ hört zu der vögel gsang und kittern Sachs
4,255 LV. 1578 last sy
(pferde) im tag zwey oder dreymal herauß zum trincken, oder sonst auch wann etwan ein schoͤner tag ist, das sy sich erwitteren Fugger
gestuͤt 76a. –
mdal. noch anfang des 20. jhs. bezeugt: 1911/25 erwittern, erweddern
schw. refl., ‘wieder zu sich kommen’ besonders ‘
sich von der kälte im warmen zimmer erholen’
siebenb.-sächs. wb. 2,268b. 2
wahrnehmen, erspüren. a
etwas durch wittern, mit dem geruchsinn aufspüren. älter jägersprachlich hauptgebrauch: u1538 es
(das elen, hirsch) khan aber einen menschen oder hund weit erwittern, dasselbig ist ym offt zu heel. so bald aber die hunde an ine khomen, so ists gefangen Kantzow
chr. Pommern 2,248 G. 1681 welches
(wachthalten) denn derselbe
(flamingo) so getreulich verrichtet, daß so bald er menschen erwittert, er augenblicks, mit einem geschrey, das zeichen giebt Francisci
rechenschafft 1015. ⟨1786⟩ durch flur und wald,/ und her und hin, durch wald und flur,/ verfolgen und erwittern bald/ die raschen hunde seine
(des wildes) spur Bürger
1,168 W. ⟨1883⟩ der hund hatte die stelle erst eine weile umschnüffelt und, als er keine jagdabenteuer erwittern konnte, sich in weiser beschaulichkeit neben den rechten stiefel seines herrn niedergekauert Heyse
ges. w. [1924] I 4,9. 1975 aus der zeit wurde ein feindliches element, .. und was sich zu dem feindlichen element zusammengezogen hatte, gälte nun einem menschen nur noch, wie jemandem eine fallgrube ‘gilt’, ließe sich auch nicht erwittern von einem tier Handke
stunde 46. b
(von weitem) sehen, hören, bemerken: 1646 als sie dahin gelanget, erwittern sie eine holdreiche stimme, welche in eine wolgestimmte leyer sunge Kueffstein/H.
Diana 3,79. 1676 p. Schottus berichtet, diese reciprocirte bewegung
(des mondes) habe Galilaeus am ersten, mit seinem fern=glase, erwittert Francisci
lust-haus 420. 1711 erwittern,
von weiten sehen Rädlein
spr.-schatz 1,259a. c
gefühlsmäßig erfassen, erahnen: ⟨1931⟩ wir hatten bald heraus, daß unser stämmiger sankt Georg auch in Mauschens schafpelz eine der tausend verwandlungen des bösen erwittert hatte Meschendörfer
stadt (1934)51. 1952 indem er
(maler) im gesicht eines menschen seltsame dissonanzen erwittert und in seinem bilde sich drängend begegnen läßt Stange
welt 173.Albrand