1unêrlĩk -êrlek, -êrlich,
adj.: 1. rechtlos, von unehrlichem Stand, „Irreuerens, -us, vnerlich” (Dief. 8), „Dar schal nemandt in unserm ampte in sinem huse edder waninge behusen edder hegen unerlike personen” (Hamb. ZR 281), „Besuͦndergen schal me sulke vnehrlike luͤde nycht yn de ehrliken Hospitalia nemen ewych tho ernerende” (Lüb. KO ed. Hauschild 158), „efft ock wol einer im ehrliken Stande ehrlick sick vorhoͤlt / so wert he doch van den vnehrliken offt vnehrlick geachtet vnde gerekenet” (Nic. Gryse Laienbibel 3, V 2
v). — 2. ehrenrührig, ungebührlich, „Mißio ignominiosa, vnehrlike affschedt” (Chytr. 208), „unerlik inhonestum, inhonorabile” (SL: Hamb. dt.-
lat. Gl.), „efte ehm hernamals, wen he unse ambtbroder geworden ist, lasterlike breve van unehrliken saken worden nageschreven ... alsden schal diesulvige ambtbroder na sinem eigenen freyen wilkohr, wo he sick vorhen verwilliget heft, dat ambt so wedderumb willigen und frey vorlaten und uthghan” (Hans. Gbl. Jg. 1900, 158), „vnkuͤsche Fabelen / Meereken / Retzelen / Ryme vnde Bolen Leede / vnd vastelauendes Pussen / vnde dergeliken vnhoͤuische vnehrlike schertzreden” (Nic. Gryse Laienbibel 2, P 4
r), „Alz eyn ghemeyndes man verspreket eynen borgermeistere, scheppenen oft eynen raetman myt unerliken unde schentliken worden ... wat broͤke dey ghemeyndes man der stad schuldich were” (Dortm. Stat. 271); — gesetzwidrig, strafbar, „so eyner jemande syne echtenfruwen edder eyne vmberuchtigete junckfruwen, wedder des echtemans edder eliken vaders willen, eyner vneerliken wyse entforet, darumme mach de eeman edder de eevader ... pynlik clagen, vnde de deder schal mit dem sweerde vome levende tom dode ge-
[]straffet werden” (Bamberg. 43), „Der plunderunge halben, weil de unerlich von dem romeschen rike erkant wart, wart de Grumbach in de acht mit sinen hulperen gedan” (Oldecop 609), „na dem dat men na lantrechte duͮuͮe vnde rouf vor gerichte myd beholdener ere nicht bezonen ne muͮghe so duͦnkt vns dat dyt dat sulue recht zy vmme andere vnerlike daͤt. de myd Claghe an dat recht vnde ghe richte ghezat wuͤrde” (Sudendorf 6, 136). — 3. unzüchtig, sittenlos, „Unerlyk dantz, unerlyk hoghen al ghewis Des duvels processie gheheten is” (Narrenschyp 38), „Dath ock nen vnerlick leuent kome manck vnse prediger / so hebbe wy ydt gerne dat se ehelick werden” (Lüb. KO ed. Hauschild 137), „meist der orsake, dat des keiser krigesfolk ... de edelen Romere und bankerei geplundert und up dat alder unerligest mit fruwen und junkfruwen gehandelt” (Oldecop 156); — Vbdg. unêrlĩke frouwe Hure, „Ok schullen de vnerlicken fruwen affteken dragen, dat me de vor anderen erlicken fruwen kenne” (Ub. Brschwg. 1, 225), „Vmme wetenheit vnde vnderscheed to hebbende twyschen erlyken vnde vnerlyken wandelbaren frowen” (Hamb. StR ed. Reincke 125). — 4. anrüchig, „Ok schal nen geselle des nachtes buten synes mesters huse, alse in lose unerliche kuffen edder huse schlapen” (Büttner Hannover 59), „unse koningh schal dessen voghel dreghen alle hilghe daghe uppe synem hovede edder an synem halse unde en schal ene nicht dreghen in unerlike stede” (Sievert Schützengilde 60), „thor bruthlacht edder kyndebyr geladen, ysset geraden, dat (wy dar) nicht tho ghan ... sollen ok nycht dorch unehrlicke straten wandern” (Fraterhaus Herford 2, 105). — 5. unehrlich, betrügerisch, „Defstall und andere unerlige handell de hinderen de ehe under den vorlauenden” (Ekenberger Elucubratio 43), „Wan allerley wetten und fruchten wer propheteren in den geiste, se weren auck buren propheten und unehrlicke beiste. Prophetern und mirackel doen willen alltied sin thosamen” (Münst. Täufer 2, 177); — nicht rechtmäßig, „Vnehrlick huͦßholdent / nicht alleyne erer personen haluen / sūder ock erer frawen vn eres gesindes halvē / schal by vns nycht geleden werden” (Lüb. KO ed. Hauschild 8).