Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
enphinden stV.
2 mit Akk.-Obj. (v.a. in späteren Texten)
3 mit Obj.-Satz
4 subst.
4.1 ‘Wahrnehmung, Empfindung’
4.2 ‘Wahrnehmungsvermögen’
1 mit Gen.-Obj.: sin gewalt ist so groz / des mugen wol inphinden / sine widerwinnen VMos 70,10; dô der alte Hildebrant der wunden enpfant NibB 2307,1; Rol 4905; Iw 1052; wenne dû mit dem vinger rüerst den wunden menschen auf sein plôz hirn, sô enpfint ez sein niht BdN 6,33. – also das ich diner herzeklicher minne in minem herzen und in miner sele und in minen fúnf sinnen und in allen minen geliden ane underlas enpfinde Mechth 7: 38,13; Tr 11741; enphunt ich ir gnâden SM:UvS 6: 3,4; Wh 253,3; HvHürnh 15,8. – vil wol ich des emphunden habe / daz ir ein übel scherer sît KvWHvK 376; wenn er ains ungewiters enpfint BdN 269,11; do zeran im der maht, / alsô daz er zehant / des tôdes enphant [den Tod nahen spürte] Ottok 91934. – dô si [die Menschen nach der Sintflut erstmals] daz fleisch âzen, / ir leides si vergâzen, / wan si enpfunden der spîse [ ‘genießen’ oder ‘Geschmack finden an etw.’?] EnikWchr 2799 2 mit Akk.-Obj. (v.a. in späteren Texten): ich enphinde niht wan ein brot PrBerthKl 6,93; davon sie – muter, meit – enphant / unsers todes falles widerslag Mügeln 182,7; der nagel [Fingernagel] enpfindet niht, wenn man in versneit BdN 21,17; Mechth 5: 11,17. – mit AcI-Konstruktion: sit ouch si kurzeliche entfant / sich in ir libe ein kint tragen Pass I/II 313,41 3 mit Obj.-Satz: enphinde der siche daz im der mage we tu SalArz 69,42; noch enpfant ich nie ze guote, leider mir, / daz an ir niht schînet wan des besten SM:UvS 22: 4,1; ich enpfind an dem hirn / und sich daz von der wârheit wol, / daz ein kint von mir komen sol, / daz wirt gewalticlîch / in dem künicrîch EnikWchr 19872; BdN 129,18; Eckh 5: 241,6; KvHeimHinv 743. – das kint [Jesus] er [Symeon] do an sin arm enphieng / von der magt dú sin genas, / und wart enphindent wer er was WernhMl 3512 4 subst. 4.1 ‘Wahrnehmung, Empfindung’ die dru [Sinne] sint auch ahtbere: / Enpfinden [hier ‘Tastsinn’ ?] , Richen und Gesmag HvNstGZ 923; doch wellent etleich maister, daz daz hirn hab enpfinden seins gepruches, wenne man ez zepricht; ez habe aber niht enpfindens seinr verendrung, wenn ez sich verendert von warm in kalt BdN 7,3; daz der mensche grœzlîchen beger solches trôstes enpfindennes und innicheit Eckh 5: 222,6 u.ö.; Seuse 367,15; KonstBrf 77,24 4.2 ‘Wahrnehmungsvermögen’ [die Seele] gît ieglîchem glide leben und enpfinden unde begern unde rüerunge PrBerth 1:98,38
MWB 1 1735,16; Bearbeiter: Diehl