EDELKEIT f. mhd. edelecheit.
mnd. ēdelichē
it.
abl. von edel
adj. 1
zu edel
adj. A 1. a
adliger, vornehmer stand, rang. α
weltlich; von adligen, vornehmen personen: ⟨u1147⟩ daz im
(einem fürsten) gebôt der senâtus, / daz er aine frowen von Rôme næme, / diu sîner edelkait wol gezæme
kaiserchr 4334 MGH. ⟨1279/98⟩ hoher vuͤrsten werdicheit, / ir bort und ir edhelycheyt / men nimber sol vergezzen
braunschw. reimchr. 32 MGH. ⟨u1400⟩
(eine frau,) die ouch in edilkeit eris geslechtis schone vnd erwirdig ist, .. die wir dem hochgeburnen fursten, herczog czu
M., czu eynir eelichen frawen begern
schles.-böhm. briefmuster 69 B. 1602 edelkeit,
gentilesse, nobilité Hulsius
dict. t. frz. C 5b. –
allgemeiner: ⟨1264⟩ daz dir gelîch sî an der jugent und an dem alter, an der edelkeit der friunde und an der ahtbærkeit des lîbes, daz nim
(zum ehepartner) Berthold v. Regensburg
1,320 P./S. ⟨E14.jh.⟩ man pruffet wole ir
(einer das lächerliche gegenbild einer königin darstellenden frau) edelkeit / an irme cleinot
(holzkrone, eiserne ringe u. dgl.), daz sie dreit. / daz zieret wole iren lip
Salomon u. Markolf 159 H. β
religiös. von menschen, engeln und der seele: hs.A13.jh. vil werdeu sêle, halt dich wert, / bekenne wol dîn edelkeit Engelbirn
2 Sch. ⟨2.h13.jh.⟩ ich fuͦr von hýmelriche her uff ertrich uss mines vatters schôss dar umb daz ich dich
(den menschen) suͦchti und wider braͤhti ze diner edelkait
st. georgener prediger 271 DTM. ⟨M14.jh.⟩ dise úberswenkigen edelen geiste
(engel) .., der edelkeit verre úbertriffet allen den adel den alle die welt mit einander geleisten mag Tauler
372 DTM. –
von gott und göttlich verehrten personen; erhabenheit hoheit: ⟨2.h13.jh.⟩ Jesus, minneklicher got kúnig, du bist ain signuft der goͤtlichen saͤlkait und edelkait
st. georgener prediger 70 DTM. ⟨u1375⟩ der ware gotes sun, .. waz du ym edilkeit czugeschreiben macht, zo ist iz alles vor nicht kegen seiner groͤz Johann v. Neumarkt
3,50 K. b
als ehrende titulatur adliger, vornehmer personen: v1282
(an den könig:) da von bitte ich vn̄ vlehe iwer hochgelobte edelkeit, swaz iwer hof hie vber erteile, daz ir daz geruͦchet mir heizen schriben vnder iwerm insigel
corp. altdt. originalurk. 1,474 W. 1482 der edle herre Jorge von Stayn .., ewer kon. mai. in disen landen vorweser und stathelder, eynen gemeynen fursten- und landstag .. gehalden hat .., doruf denne seyne edilkeit eyne bethe und gnant geld .. begert und gefordert had
script. rer. siles. 14,50. 1524 euer edlkeit schriftlich antzaigung .. haben wir seins innhalts vernomen
verh. Th. v. Absberg 114 LV. 2
zu edel
adj. A 2 a. a
äußere oder sich sonst erkennbar manifestierende hervorragende qualität, beschaffenheit: ⟨1150/60⟩ aller steine vbir glas. / luchte von der edelicheite sin
(des golddurchwirkten mantels) könig Rother 1859 F./K. ⟨n1240⟩ under den creatûren allen / ist iu
(den vögeln) diu edelkeit gevallen, / daz ir mugt in dem lufte sweben Lamprecht v. Regensburg
st. Franziskus 2432 W. hs.2.h14.jh. dy genumetin tuchir eyn iclichis ist von vumf tusint guldin floren durch der edilkeit des gesteynis dy dorin getragin syn
Marco Polo 22 DTM. ⟨1500⟩ quinta essentia ist kein elementisch ding, wan es ist die sel vnd kraft, vn̄ edelkeit, vßgezogen den vberfluß der elementischen ding Brunschwig
de arte distillandi (1512)11a. jünger: 1856 die annäherung an erz .. wird gewöhnlich durch mancherlei kennzeichen
(der lagerstätte) .. bemerklich gemacht .. andeutung grosser edelkeit ist auf den andreasberger gängen grobkörniger kalkspath Gaetzschmann
auf- und untersuchung 99. –von lebewesen, auch pflanzen, hinsichtlich ihres entwicklungsstandes oder ihres ranges in der schöpfungs- oder einer wertordnung: ⟨1250/4⟩ ein edel boum, des edilkeit / aromatha die edeln treit Rudolf v. Ems
weltchr. 1460 DTM. ⟨u1300⟩ ein valke ûf eime stricke wart / gevangen durch sîn edelkeit
liederdichter 215 K. ⟨E14.jh.⟩ kein creatur in himelrich / ist den kuschen da selbes glich / van edilkeid der schonen naturen Rothe
keuschheit 3700 DTM. 1491 also wirt offenbar das die frucht kompt usß der edelkaitt der reben und nit uss der fruchtbarkait des jaͮrs Oesterreicher
Columella 1,124 LV. b
reichtum, besitz, glanz: ⟨1225/30⟩
(Juno) des guotes gotinne ist genant, / .. ir rîcheit unde ir edelkeit / wâren nâch der welte bereit. / si was rîches guotes Rudolf v. Ems
Barlaam 259,17 P. hs.2.h14.jh. von der edilkeit und groze der stat Quinsay
Marco Polo 44 DTM. 1488
(or. 1392) do hieß man richten die tisch vn̄ saczt darauf von golde .. vil schoͤner trinckuaß. da wolt der künig all sein edelkeÿt erzaigen den Kriechen vn̄ sant nach seiner .. tochter dz sÿ .. jm hülf die wirtschaft volbringen
hystori troyana a 8b. 3
zu edel
adj. A 2 b. a
etwas, was hohen ethischen rang hat: ⟨u1235⟩ tugent ist ein edelkeit / diu alles lobes krône treit Rudolf v. Ems
Alexander 1519 LV. hs.15.jh. (die sterk, die ist in dreierlai geschicht / nach dem, als Macrobius spricht. / die erst sterk ist, .. / wann ein mensch stark ist für ander leut, / und der da check ist und wolmugent. / das selb ist nicht gehaissen ain tugent. / die ander ist ain endleichait)
var.: edelchait, / (wann die ist ain sicherhait / des muetes, das man sich fürchtet nicht) Vintler
4138 Z. b
religiös, ethisch, geistig orientierte einstellung, hohe ethische qualität: ⟨1250/60⟩ nu twang on dar sîn edelkeit / daz he ûch, werde coninc gemeit, / ledig gab dorch sînen prîs Berthold v. Holle
Demantin 6053 LV. ⟨u1300⟩ der keiser Constantinus / sin edelkeit daran begienc, / daz er die muter wol entpfienc
passional 72a K. hs.1387 der tugent nit minnet durch iren nutz. der möhti si minnen durch ir edelkait
altdt. pred. 101 W.Peperkorn