Devonische Formation (hierzu
Tafel »Devonische Formation I u. II«), nach der
engl. Grafschaft Devonshire (1839 von Murchison und Sedgwick benannt),
auch rheinische Formation, jüngeres Übergangsgebirge, Schichtensystem zwischen der Silur- u. der Steinkohlenformation, besteht dem
Gesteinsmaterial nach vorwiegend aus Sandsteinen (
old red sandstone [benannt von Phillips 1816],
alter roter Sandstein der Engländer), Quarziten, Konglomeraten, Grauwacken, Kalksteinen und Tonschiefern; letztere beiden Gesteine sind zuweilen in der Weise verknüpft, daß Kalkstein Linsen im Tonschiefer bildet (Flinz, Flaserkalk), die der Verwitterung schneller anheimfallen und das Gestein oft löcherig (Kramenzelkalkstein) erscheinen lassen. Meist nicht zum Abbau geeignet sind die hier und da vorkommenden Steinkohlenflöze. Die in den Schichten begrabenen
Organismen tragen, dem hohen Alter der Formation entsprechend, einen fremdartigen, von der heutigen Schöpfung weit abweichenden Charakter. Dünn gesät sind die Pflanzenformen:
Fucus-Arten, einige Gefäßkryptogamen (Kalamiten, Lepidodendren, Farne), Sigillarien mit ihren Wurzelstöcken, den Stigmarien, und vereinzelte Koniferen. Unter den Tierformen sind die Korallen durch mannigfaltige Gattungen (
Cystiphyllum, Cyathophyllum, Pleurodictyum u. a., Tafel I, Fig. 25), die Moostierchen durch
Aulopora (Tafel I, Fig. 6) vertreten. Ein sehr charakteristisches Leitfossil der sogen. Calceolaschichten ist die Deckelkoralle
Calceola sandalina (Tafel I, Fig. 1). Unter den Echinodermen herrschen die Krinoideen (
Cupressocrinus und
Haplocrinus, Tafel I, Fig. 12 u. 14) vor, mit deren Stielgliedern (Entrochiten) sich häufig ganze Schichten erfüllt finden. Auch äußere Abgüsse solcher Säulenglieder (sogen. Schraubensteine) sind sehr gewöhnlich. Seltener als die Krinoideen sind die Blastoideen mit der Gattung
Pentremites. Von Armfüßern stellt Tafel I zwei der häufigsten Spiriferenarten,
Spirifer speciosus und
Spirifer Verneuilli (Fig. 9 u. 11), ferner
Stringocephalus Burtini (Fig. 7, im Stringocephalenkalk) dar, letztern auch ausgeschnitten in einer seitlichen Ansicht, um das innere Knochengerüst zu zeigen; auch die Gattungen
Spirigera, Merista (Tafel I, Fig. 10 u. 8),
Atrypa, Orthis und
Rhynchonella sind sehr verbreitet;
Rhynchonella cuboides (Tafel I, Fig. 13) ist das Leitfossil der nach ihr benannten oberdevonischen Cuboïdesschichten.
Macrocheilus arculatus, Murchisonia bigranulosa und
Euomphalus Goldfussi (Tafel II, Fig. 14,8 u. 12) sind Beispiele devonischer Gastropoden. Unter den Cephalopoden haben die Gattungen
Orthoceras (Tafel II, Fig. 11),
Cyrtoceras, Gomphoceras etc. zahlreiche Vertreter; noch wichtiger aber sind die zu den Ammoneen gehörigen Clymenien und Goniatiten, von denen die erstern sogar ausschließlich auf das Devon beschränkt sind (
Clymenia undulata, Goniatites intumescens und
Goniatites simplex, Tafel II, Fig. 1,2 u. 3). Von Krustazeen treten die Trilobiten (Fig. 7 u. 10 der Tafel II stellen die zuweilen zusammengerollt vorkommende, sehr verbreitete Form des
Phacops latifrons sowie den
Phacops cryptophthalmus dar) weniger zahlreich als im Silur auf, dagegen kommt der kleine Muschelkrebs
Cypridina (Entomis) serratostriata (Tafel II, Fig. 5 u. 6) in unzähligen Exemplaren in dem nach ihm genannten Schiefer vor. Unter den Fischen ziehen die abenteuerlichen Formen des
Pterichthys (Asterolepis) cornutus und
Coccosteus decipiens (Tafel II, Fig. 4 u. 13) mit ihren Knochenpanzern die Aufmerksamkeit auf sich, während
Cephalaspis Lyelli (Tafel II, Fig. 9) den den ältern Formationen eignen Typus der heterocerkalen Ganoideen besonders deutlich erkennen läßt. Die
d. F. läßt sich überall, wo sie vollständig entwickelt ist, in ein Unter-, Mittel- und Oberdevon gliedern. In Nassau und Westfalen gehören zum
Unterdevon die Taunusphyllite, die Hunsrückschiefer und die gleichalterigen Taunusquarzite (auch die Siegener Grauwacke) sowie die Koblenzschichten (Spiriferensandstein, Koblenzer Grauwacke). Ihnen folgen als
Mitteldevon in der Eifel und im Harz die Calceolaschichten und der Stringocephalenkalk (Eifeler Kalk,
s. Tafel »Bergformen II«, Fig. 2), in der Lennegegend der Lenneschiefer, in Nassau der Wissenbacher Orthocerasschiefer, Schalsteine u. Diabase; als
Oberdevon endlich finden sich die Goniatitenkalke (z. T. ungeschichtete, korallenreiche Riffkalke, nach dem Vorkommen am Iberg am Harz als Iberger Kalk bezeichnet) oder, wie bei Brilon, dunkle, etwas kalkige Schiefer (Flinz), dann Clymenienkalke und Cypridinenschiefer. Die
d. F. (
vgl. Tafel »Geologische Formationen III«) ist namentlich in Britannien, Rußland und Nordamerika sehr verbreitet. In Frankreich besitzen die Bretagne und die Normandie, in Spanien Asturien ausgedehnte Devongebiete. In Deutschland findet die Formation ihre Hauptentwickelung am Unterrhein (vom Taunus an abwärts), in der Eifel (zusammenhängend mit dem Devon Luxemburgs und Belgiens), am Harz (
s. auch
Hercyn), im Fichtelgebirge, untergeordneter in der preußischen Provinz Schlesien und dem benachbarten Österreichisch-Schlesien und Mähren. Die
vulkanische Tätigkeit lieferte während der devonischen Periode Porphyre und Keratophyre (Lahnporphyre) sowie vorzugsweise Diabase. Ihre stark zersetzten Tuffe, die Schalsteine, sind mit dem übrigen Schichtenmaterial der devonischen Formation durch Wechsellagerung eng verbunden und ihrerseits, besonders in Nassau, Westfalen und dem Harz, mit Roteisensteinen, in Nassau zudem noch mit Phosphoriten verknüpft.
An technisch wichtigen Substanzen birgt die
d. F. außer den eben zitierten Roteisensteinen und den zu landwirtschaftlichen Zwecken in Nassau emsig abgebauten Phosphoriten mannigfaltige Erzlagerstätten,
z. B. am Rammelsberg im Harz ein mächtiges Lager von Zinkblende, Kupferkies, Eisenkies und Bleiglanz, bei Almaden in Spanien reiche Vorkommen von Zinnober, bei Andreasberg Gänge mit Silber- und Kupfererzen, bei Müsen im Siegenschen Gänge mit Eisenspat, Nickel-, Kupfer-, Blei- und Manganerzen, in Cornwall Gänge mit Zinn- und Kupfererzen. Auch die großen Petroleumschätze Pennsylvaniens entstammen devonischen Schichten.