Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
bigott Adj.
bigott Adj.
bigott Adj. ‘frömmelnd, scheinheilig’. Frz. bigot, seit dem 15. Jh. in derselben Bedeutung bezeugt und bereits im 17. Jh. als bigot ins Engl. und als bigotto ins Ital. entlehnt, gelangt um die Wende zum 18. Jh. ins Dt. und erscheint hier seit der Mitte des 18. Jhs. in der eingedeutschten Schreibung bigott. Die Herleitung des frz. Wortes, das zuerst im Afrz. (12. Jh.) als herabsetzende Charakterisierung der Normannen verwendet wird, ist ungeklärt, doch hat es seinen Ursprung wahrscheinlich in einer (der nhd. Fügung bei Gott entsprechenden) germ. Schwurformel (aengl. bī god?); vgl. dazu die Beteuerung bigott ‘wahrhaftig, fürwahr’ in obd. Mundarten. Das Substantiv span. bigote ‘Knebelbart’, das auch für die Erklärung von frz. bigot und dessen Bedeutungsentwicklung herangezogen wird (span. hombre de bigote ‘Mann mit Knebelbart’, übertragen ‘Mann von Charakter’), geht nach 1, 457 f. wohl ebenfalls auf eine solche Formel zurück. in: Die Neueren Sprachen N. F. 18 (1969) 497 ff. sieht dagegen in jidd. begotisch ‘fromm, gottbegnadet’ (zu mhd. got ‘Gott’) eine mögliche Quelle für das frz. Adjektiv. – Bigotterie f. ‘Frömmelei, scheinheiliges Wesen’ (Ende 17. Jh.), Übernahme von gleichbed. frz. bigoterie.