Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
barock Adj.
barock Adj.
barock Adj. ‘sonderbar, seltsam, überladen, schwülstig’, seit dem späten 19. Jh. vor allem terminologisch mit Bezug auf den Stil des Barock (s. unten); zunächst in den Formen baroque, baroc, barok (2. Hälfte 18. Jh.), vorübergehend auch mit eindeutschender Suffigierung barockisch (bereits Mitte 18. Jh.) vorkommende Entlehnung von frz. baroque ‘sonderbar, überladen’. Das frz. Adjektiv, zuerst im 16. Jh. in der Bedeutung ‘schiefrund, unregelmäßig’ auf Perlen angewandt, geht auf ein Substantiv port. barroco m. ‘Perle mit ungleichmäßiger Oberfläche, schiefrunder Edelstein’ zurück, dessen Herleitung unsicher ist (vermutlich vorroman., vielleicht von einem kelt. *verroccon, vgl. Corominas 1, 450 f.). Möglicherweise auf Grund des Gleichklangs mit der seit dem 13. Jh. bezeugten Kunstbildung mlat. nlat. baroco, die einen bestimmten Syllogismus in der formalen Logik benennt und als Inbegriff scholastischer Denkweise verspottet worden sein mag, entwickelt frz. baroque um 1700 den metaphorischen Gebrauch ‘verschroben, sonderbar, bizarr, überladen’; in der zweiten Jahrhunderthälfte, also zur Zeit der Übernahme ins Dt., ist es oft tadelnde Kennzeichnung eines veralteten Geschmacks und überholter, als schwülstig empfundener künstlerischer Gestaltungsmittel, namentlich in Architektur, bildender Kunst und Musik. Deutsche Kunsthistoriker gewinnen daraus Mitte des 19. Jhs. den von negativer Wertung freien Terminus Barock n. m. für die auf die Renaissance folgende Stilepoche (etwa vom Ausgang des 16. Jhs. bis 1750), der in andere europ. Sprachen entlehnt wird.