Wossidia
Backhus n. Haus, in dem gebacken wurde; außer dem Raum, der den Backofen enthielt, besaß das Backhaus eine große Vorhalle, in der meist der Teig, nachdem er die Nacht über im Hause geblieben war, erst ausgeknetet wurde; hier wurde auch der Flachs gebrakt und geschwungen. In der Regel befanden sich noch mehr Räume im Backhause, da dieses einen Katen ersetzte und Tagelöhner familien, Witwen und anderen Personen als Wohnung dienen mußte. Bauernstellen, die über einen eigenen Katen verfügten, begnügten sich demgemäß mit einem Backofen. Horn Selmsd. 2, 22 beschreibt ein Backhaus: Eingang zum Backofen vom Giebelende, zur Wohnung von der Breitseite; auf der kleinen Diele rechts und links ein Herd, darüber ein Schwibbogen, von hier wurden die Öfen geheizt. Die Wohnung bestand aus Stube und Kammer. Die Einrichtung des Backhauses der Pfarre SchöSchönberg@SelmsdorfSelmsd, das im Jahre 1825 gebaut wurde (eine Diele in der Mitte mit dem Kochherd, rechts und links je eine zweifenstrige Stube, dahinter rechts eine Kammer nach hinten, links eine in derselben Front; geradeaus von der Diele
[] nach hinten zwei singlecolNach PRIES in Meckl. 27,16 Kammern, in der einen führte die Treppe zum Boden; links nach hinten noch eine einfenstrige Stube mit Kammer daneben; diese Stube war die Backstube), ist ebda 1, 466
f. beschrieben. Der Boden diente zur Aufbewahrung der Brak- und Schwinggeräte, sowie der Sensen, Harken
u. a. Geräte; oder die unteren Räume waren als Arbeitsstätte des Rademachers eingerichtet, oder es wurde Holz darin gehauen, das auf dem Boden aufgeschichtet wurde. Auf Gütern wurde das Erntefest im ausgeräumten Backhaus gefeiert WiWismar@GoldebeeGold; RoRostock@ToitenwinkelToit. Das Backhaus in GüGüstrow@Klein UpahlKUp enthielt zwei Backöfen. S. Jb. 2, 149; Ratz. Mitt. 2, 12
b; Glob. 13, 187; als Elendswohnung bei Reut. 7, 221. Über städtische Verhältnisse
vgl. Nützl. Beitr. 1802, S. 12; auch Kern Hof. 1, 199 öft.; Spald. Land. 2, 234. Insbesondere das Warnemünder Backhaus, in welchem alle Einwohner unter Aufsicht buken (
s. backen
1 I 1), ist Meckl. Zeit. 26. 11. 1916 Sonnt.-Beil. und bei
F. Barn. Warn. 250 beschrieben und abgebildet; eine Beschreibung und Abbildung eines ländlichen Brau-, Brenn- und Backhauses bei Behr. Landbauk. 136. S. die Abb. eines bäuerlichen Backhauses oben. Der Neubau eines Backhauses hatte immerhin einige Bedeutung und kann daher als Zeitangabe dienen,
vgl.: wennihr wir dat? As 'n Schulten sin Backhus bug't würd. Sonst spielt das Backhaus in der Volksrede keine besondere Rolle; nur noch in einem Reim, der den Dreschertakt ausdeutet, tritt es auf: von 'n Spiker nah 'n Backhus; für den Dreschertakt zu vieren: von dit Hus nah dat Hus, von 't Swinhus nah 't Backhus SchöSchönberg@GrevesmühlenGrev; ... von 't Backhus nah 't Kackhus LuLudwigslust@TewswoosTewsW; zu sechsen: ... von 't Schithus
[] nah 't Backhus Schw. Ungewöhnlich ist die Form Backelhus H. Schrö
d. Buerh. 1, 105. FN.: Backhusenbarg, -dik, -goren, -koppel, -wisch. Mnd. backhûs
n. Me. 1, 209.