Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
atomar
atomar
Atom n. ‘kleinstes Teilchen eines chemischen Elements’. Die antike materialistische Naturphilosophie (Leukipp, Demokrit) nennt die von ihr als kleinsten Baustein der Materie angenommene, nicht weiter teilbare Einheit griech. hē átomos (ἡ ἄτομος). Diese Substantivierung der femininen Form (neben tó átomon, τὸ ἄτομον n.) des Adjektivs griech. átomos (ἄτομος) m. und f., átomon (ἄτομον) n. ‘ungeschnitten, unteilbar’, das mit negierendem a- (ἀ- privativum) zum Verb griech. témnein (τέμνειν) ‘schneiden’ (s. Anatomie) gebildet ist, gelangt als atomus f. (mlat. auch m.) ‘das Unteilbare’ ins Lat. Das Maskulinum findet sich von der Mitte des 16. Jhs. an in dt. Texten, bis zur Mitte des 18. Jhs. stets mit lat. Flexion, danach zunächst mit dem Plural Atomen (bis ins 1. Drittel des 19. Jhs.), seit dem Ende des 18. Jhs. mit dem Plural Atome. Um 1800 kommt neutrales Genus auf. Anfang des 19. Jhs. wird der philosophische Terminus in die Sprache der Chemie übernommen und erhält dort seinen neuen Inhalt. In der Physik wird Ende des 19. Jhs. die weitere Spaltbarkeit des Atoms nachgewiesen, das nun nicht mehr motivierte Fachwort aber bis heute beibehalten. Das 20. Jh. bringt eine große Zahl von Zusammensetzungen hervor, z. B. Atomkern, Atomenergie, Atomphysik (bald durch Kernenergie, -physik zurückgedrängt), Atombombe (nach engl. atomic bomb). – atomar Adj. ‘das Atom betreffend’, von chemischen Elementen auch ‘aus einzelnen, nicht zu Molekülen verbundenen Atomen bestehend’; seit den 20er Jahren des 20. Jhs. nachgewiesene latinisierende Neubildung, Mitte des 20. Jhs. auch mit Bezug auf Kernwaffen verwendet.