anthun ,
afficere, ingerere, injicere, nnl. aandoen.
das verbum thun geht fast mit allen partikeln verbindung ein, woraus die manigfaltigsten begriffe entspringen, anthun
kann zumeist als gegensatz von abthun betrachtet werden. es bedeutet etwas an einen thun, wie abthun
etwas von einem thun, und forderte, gleich allen solchen wörtern, ursprünglich doppelten acc., den der sache und person, welcher letztere aber in den dat. überzutreten pflegt. 11) anthun,
anzaubern. bei abthun
brach das alte thun =
opfern vor, so erscheint bei anthun
ein thun =
zaubern (
mythol. 984);
die sprache anstand nehmend, die böse sache beim wort zu nennen, sagt es einem anthun
und schon mhd. war eʒ tuon
ganz geläufig. für diese bedeutsame ausdrucksweise mangeln, wie bei abthun =
schlachten, alte belege, sie darf nichtsdestominder uralt scheinen, mit unrecht stempelte sie Adelung
zur gemeinen und niedrigen, ihr adel wurde durch die poesie bald hernach bestätigt. es ist mir angethan worden, mala manu hoc mihi objectum est, carmine decantatus sum. Stieler 2355; einem etwas durch zauberei anthun, veneficio alicui nocere. Frisch 374.
der zauber wird angeworfen, angehängt, angelegt und in diesem sinn könnte sich das folgende anthun =
ankleiden, anlegen damit berühren. es gilt aber zumal vom liebeszauber: ihr aug ist schwarz wie reifer schlee, schier komm ich in den wahn, wann ich ihr lang ins auge seh, sie hat mirs angethan. Hagedorn 3, 75; in keinem städtchen langt er an, wo ers nicht mancher angethan. Göthe 1, 201; entzückt, erstaunt, wer dies ihm angethan? 3, 22; du hattest längst mirs angethan. 4, 118; den wolken zu vertrauen wie lieb sie mirs angethan? 5, 59; und hat man mirs nicht angethan, so seh ich warlich ein theater. 12, 219; löw und löwin, hin und wieder schmiegen sich um ihn heran, ja die sanften, frommen lieder habens ihnen angethan. 15, 326; mir hat sies ganz eigens angethan. 20, 226; doch ist mirs seitdem angethan, dasz ich mich oft nach der thüre wende in der meinung du kommst meinen irrthum zu berichtigen. Bettine
br. 2, 133; es musz euch was angethan sein. Bürger 2, 52; ich weisz nicht, ob sie es allen menschen anthun will. Arnim 2, 40.
auch volksmäszig, es ist ihm than,
angethan (Schm. 1, 420),
vgl. das einfache thun
und machen. 22) anthun,
induere, ἐνδύειν,
ἐνδύνειν,
was sogar den anschein einer wirklichen verwandtschaft der lat. und gr. wörter gründen könnte, so unähnlich beide selbst einander sind, da exuere
von ἐκδύειν,
ἐκδύνειν absteht. die nähere untersuchung musz auf das einfache thun
verwiesen werden. anthun
aber unterscheidet sich von umthun, aufthun, das kleid wird
angethan, der mantel umgethan, der hut aufgethan.
ahd. anatuon, anagituon (Graff 5, 315. 316);
mhd. ane getuon: den rok ane getet.
myst. 193, 1; legeten ein vrowen hemede uffe sîn bette, daʒ her iʒ ane tete vor sîn korrockelî
n. 210, 37.
nhd. wenn er in (
den rock) hat angetan.
fastn. sp. 441, 5; dem muosz man anduon röck und hosen. Brant
narrensch. 250; doch duont wir vor zwen socken an, das uns die herschaft nit hör gan. 223; und legt im den leinenrock an und gürtet in mit dem gürtel, und zoch im den seidenrock an und thet im den leibrock an (
vulg. vestivit pontificem subucula linea, accingens eum balteo et induens eum tunica hyacinthina et desuper humerale imposuit).
3 Mos. 8, 7; und thet im das schiltlin
an. 8, 8; und sol sein eigen kleider anthun. 16, 24; und sol die leinenkleider anthun. 16, 32; ein man sol nicht weiberkleider anthun.
5 Mos. 22, 5; mit secken angethan.
2 kön. 19, 2; lasz deine priester mit heil angethan werden.
2 chron. 6, 41; thet keine kleider
an. Luc. 8, 27; bringet das beste kleid hervor und thut in
an. 15, 22; gürte dich und thue deine schuh
an. apost. gesch. 12, 8; angethan mit dem krebs des glaubens (induti loricam fidei).
1 Thess. 5, 8; weisze kleider (käufest), das du dich anthust.
offenb. 3, 18; und es ward ihr gegeben sich anzuthun mit reiner und schöner seiden. 19, 8; und war angethan mit einem kleide. 19, 13; angethan mit weiszer und reiner seiden. 19, 14; ich solt mich anthun, dasz ich ein wenig sauber leg. Götz von B. 77; Galmy seine kutten anthat.
Galmy 306; einen henker in der neuen kleidungsweis anthun hiesz.
Garg. 5; meint, wann man in neu anthat, es wer sonntag. 131
a; under des war er angethan, gestrält vom schuh bis zum hut. 173
b; anthun und schmucken. 217
b; sich mit frischen kleidern anthun. 235
b; das sie viel weil mit der rüstung zubrachten, als wann man eim Baier ein harnisch soll anthun. 282
a; er hat sich also bischoflich angethan. Zinkgr. 7, 17; mit gewebter luft leichtflatternd angethan. Wieland; angethan mit einem sterbekleide schlummert Röschen. Hölty; seht meine lieben bäume an, wie sie so herlich stehn auf allen zweigen angethan mit reifen wunderschö
n. Claudius 4, 4; in sammet und in seide war er nun angethan. Göthe 12, 111; seht, frölich hat der tag sich angethan. Tieck 2, 50.
Man pflegt heute zu sagen: die sache ist ganz danach angethan, die frage, die erklärung ist nicht danach angethan =
beschaffen, eigentlich angekleidet. Übrigens zeigen schon frühe belege bei diesem anthun
neben acc. der sache dat. der person: sîn selbes fuoʒen teta er ana sîne suftelara,
pedibus nectit subtalares, wiewol sich ein noch älteres sîne fuoʒe
denken liesze, gleichsam ad pedes, ana sînê fuoʒî teta scuoha. thun
scheint aber hier, wie sonst oft, an die vorstellung des gebens
zu rühren, welchem geben
stets ein persönlicher dat. gebührt, und es hiesz gerade so mhd. ein scharlaches mentelîn daʒ gap si mir
an. Iw. 326, = that sie mir an,
was wol auch noch heute gesagt werden kann. vgl. anlegen. 33) einem etwas gutes anthun: man duot wisheit kein ere me
an. Brant
narrensch. 227; dann kunst gespiset wirt durch ere, und wann man ir kein ere duot an, so werden wenig darnach stan. 270; wir hätten euch den dienst, die ehr auch angethan, wenn ihr schon weret nicht bei uns allhier gewesen. Fleming 51; was wolte Karien von seiner treue melden, so sie hat angethan den hochgeliebten helden (
acc. sg.), mit dem es gleiche lebt. 138 (1685, 140); weil sie ihm seine gebührende ehre nicht anthun wollen.
pers. rosenth. 7, 20; ich thät euch eseln eine ehr an, wie mein vater Jupiter vor mir gethan. Göthe 13, 104; einem eine höflichkeit, sein recht anthun. 44)
noch häufiger einem übles anthun,
wohin der zauber unter 1)
gezogen werden könnte (
vgl.thun). Opitz,
zu den worten ganz, nimmer wandelbar
seines Vesuvius sagt 1, 24: angesehen die natürlichen dinge oder cörper, welche den himmel weder ändern, noch ihm etwas anthun können,
d. h. etwas zu leide thun, aliquid mali facere; thut inen das gebrandte leid
an. Luther 8, 63
a; der den Juden das gebrandte leid anthut. 8, 74
a; ob sie uns todten oder alles unglücks anthun. Luthers
br. 2, 165; als sie sahen, das niemands als der mönch da war, der inen solche schmach anthat.
Garg. 255
a; einem kein gröszer straf anthun können. 53
a; indem man nu zu rate gehet, was für einen tod man ihm anthun soll.
pers. rosenth. 7, 20; wenn ihm ein schimpf wird angethan. Fleming 19; genesen seid ihr nun, und denkt nicht einmal dran, was euch der arge feind für dampf hat angethan. 131; welche (dragoner) den unserigen daselbst viel dampfs anthäten.
Simpl. 1, 278; die übel, die sie sich unter einander anthun. Kant 10, 373; er that ihm so viel grobheiten an, als vonnöthen waren. J. Paul
uns. loge 2, 14; einem verdrusz, unehre, gewalt, zwang, leid anthun: ich habe mir alle gewalt angethan, um zu schweigen; wenn sie nur die gewalt hätten sehen sollen, die sie ihrem herzen anthat. Gellert; sie wollte sich ein leid, ein leides anthun =
sich umbringen, ersäufen; seht darum thu ich mir mein leid
an. J. Paul
Tit. 2, 94.
hierzu stimmen die lat. verba infligere, ingerere, imprimere, inurere, irrogare fürs ahd. anatuon
bei Graff 5, 315. 316. 55)
ganz fremd ist unserm anthun
die bedeutung des nnl. aandoen =
besuchen, aller trouver: iemand bij den avond aandoen,
heimsuchen; ik kan die haven niet aandoen,
in dem hafen nicht anlanden; ik zal Frankrijk op mijne reis niet aandoen,
nicht berühren. auch niederdeutsch bei den schiffern, de Weser andon,
in die Weser einlaufen, den haven andon,
im hafen anlegen, um wasser einzunehmen.