Anarchie 1 Fehlen bzw Aufhebung der (staatl) Zentralgewalt, gesetzloser Zustand; gekennzeichnet durch Unordnung u individualist Willkür a polit Es gibt zwei Momente der Weltgeschichte .. Der erste ist derjenige, in welchem sich die Einzelnen neben einander frei ausbilden; dieß ist die Epoche des Werdens, des Friedens, des Nährens, der Künste, der Wissenschaften, der Gemüthlichkeit, der Vernunft. Hier wirkt alles nach innen, und strebt in den besten Zeiten zu einem glücklichen häuslichen Auferbauen; doch lös’t sich dieser Zustand zuletzt in Parteisucht und A. auf GWBN3,133,15 FlH III Aristokratie und A. sind gleich gefährlich GWB40,479,27 Plp Vergegenwärtigung des strengen Formelwesens dieser [der römischen] Nation, welches zuletzt der A. und Tyranney selbst noch eine gewisse legale Gestalt zu geben trachtete GWBB40,157,1 JurFak Jena 24.11.25 [Meph:] Indeß zerfiel das Reich in A., | Wo groß und klein sich kreuz und quer befehdeten, | Und Brüder sich vertrieben, tödteten, | Burg gegen Burg, Stadt gegen Stadt, | Zunft gegen Adel — Fehde hat, | Der Bischof mit Capitel und Gemeinde; | Was sich nur ansah waren Feinde GWBFaust II 10261 Wenn man sonst dem deutschen Reiche Zersplitterung, A. und Ohnmacht vorwarf, so erschien aus dem Möserischen Standpuncte gerade die Menge kleiner Staaten als .. erwünscht zu Ausbreitung der Cultur im Einzelnen GWB28,318,13 DuW 15 A. des politischen Deutschlands GWB28,365 DuW Plp GWB46,313,9 Hackert GWBB49,230,9 Zelter 4.2.32 uö als Nährboden für das Wirken einzelner starker Persönlichkeiten In der Republik bilden sich große .. Charaktere .. Geräth ein Staat in A., sogleich thun sich verwegene, kühne, sittenverachtende Menschen hervor GWB7,40,14 DivNot In Götz war es ein tüchtiger Mann, der untergeht in dem Wahn: zu Zeiten der A. sei der wohlwollende Kräftige von einiger Bedeutung. Im Egmont waren es festgegründete Zustände, die sich vor strenger, gut berechneter Despotie nicht halten können GWB29,162,12 DuW 19 GWB422,425 Plp als Voraussetzung der Alleinherrschaft Da aber der Tumult der A. [mBez auf Frz Revolution] immer heftiger wird .. so ist er [Wieland] der Erste, der die Einherrschaft wieder anräth GWB36,332,17 Zu brüderlAndenkWielands 1813 Revolution. | A. Monarch[ie] GWB422,426 Plp iron Dabey bleibt denn aber doch immer das Löbliche an der A., daß, wenn sie einmal einen entschiedenen Zweck im Auge hat, so sieht sie sich nach einem Dictator um und merkt nun, daß es geht GWBB48,257,11 Zelter 28.6.31 übertr auf Gesteinsbildung Indem der Granit seinen Charakter aufgibt, tritt also Vielfältigkeit .. ein. Er hat aufgehört zu herrschen; nun ist eine A., in welcher jedes zur Herrschaft strebt GWBN10,80,8 Dynamism b in Teilbereichen des öffentl Lebens [vor der drohenden Schiffskatastrophe auf der Überfahrt von Sizilien nach Neapel] Die Menge ward immer lauter und wilder .. die Weiber .. schalten und tobten gegen den Capitän .. mir aber, dem von Jugend auf A. verdrießlicher gewesen als der Tod selbst, war es unmöglich länger zu schweigen GWB31,229,28 ItR ein französisches Liebhabertheater, wo die A. auch nur durch den Glockenschlag gebändigt .. wird GWBB38,300,13 Ottilie [Ende Jan 24] K [betr Studentenunruhen in Jena 1790] Gestern Abend fingen zwey Jäger an zu wetzen, die Wache ging nach ihnen fand sie nicht, Studenten arretirten sie und brachten sie dem Capitain ins Hauß. Es ist eine Ordnung in dieser A. die oft ins Lächerliche fällt GWBB9,193,7 Fritsch 12.3.90 im Buch- u Verlagswesen als man in diesem Unternehmen [betr Kontrakt mit Cotta üb Ausg.l.H.] einen hoffnungsvollen Anfang gewahr werde aus der schändlichen A. die in dem deutschen Buchhandel herrscht könne Einhalt gethan und dieser bisher ganz gesetzlose Geschäftskreis auch wie die übrigen Fächer der Staatshaushaltung in einen rechtlichen Gang könne geleitet werden GWBB40,439,4 Boisserée 8.1.26 K Beilage GWBB48,105,5 Zelter 1.2.31 2 übertr auf Wiss u Kunst als Richtungslosigkeit, Individualismus Der Mensch .. unterwirft sich eben so gern der Autorität, als er sich derselben entzieht .. In der gegenwärtigen Epoche der Farbenlehre [2. Hälfte des 18. Jh] erhielten .. jüngere .. Menschen eine gewisse Halbfreiheit, die .. eines jeden eigne Ansichten, Lieblingsmeinungen, Grillen hervorrief, und so zwar manchem Guten förderlich war, dagegen aber auch eine Art von A. weissagte und vorbereitete, welche in unsern Tagen völlig erschienen ist GWBN4,212,24 FlH VI GWBN4,406,26 Fl AnzÜbers GWBN3,145,25 FlH III mit bes Bezug auf zeitgenöss dt Verhältnisse: Fehlen eines geistigkulturellen Mittelpunktes, Uneinheitlichkeit der Bestrebungen, Vereinzelung Denn ob wir [die Deutschen] gleich, was Wissenschaft und Kunst betrifft, in der seltsamsten A. leben, die uns von jedem erwünschten Zweck immer mehr zu entfernen scheint; so ist es doch eben diese A., die uns nach und nach aus der Weite in’s Enge, aus der Zerstreuung zur Vereinigung drängen muß GWBN3,122,17u19 FlH II GWBB24,153,2 Buchholtz 14.2.14 Classe gebildeter, oder vielmehr der sich erst bildenden Deutschen [im letzten Drittel des 18.Jh] .. Im Ganzen war jedoch jener Zustand eine aristokratische A. GWB35,40,16 TuJ .. auf dieser [Akademie Jena], die, von mehreren Souverains abhängend, eigentlich keinen anerkennt. Die daher entspringende A. im Lehren mußte in der neueren Zeit, wo man gar keine Grenzen mehr kennt, umsomehr überhand nehmen, als früher eine frey fortschreitende Denkweise, ja eine Concurrenz verschieden gesinnter Lehrer für vortheilhaft gehalten werden konnte und mit liberalem Sinn gehegt, ja selbst gepflegt ward A(GJb30,28) Bericht [22.]11.12 K Die von der Verfasserin [Staël?] bemerkte A. [Il y avoit une sorte d’anarchie douce et paisible, en faits d’opinions littéraires et méthaphysiques] findet würklich statt, nur daß sie demjenigen nicht friedlich erscheint, der darinne befangen ist GWB422,444,15 Üb frzDictum Plp in der Kunst auch Mangel an Gesetzmäßigkeit u Form In Kunst wie in Wissenschaft sind die currenten Maximen nicht erfreulich. Der Grundsatz daß man den Künstlern nur Unterhalt gebe und sie übrigens solle gewähren lassen, was sie können und wollen, entspringt aus der A., die einen schwankenden Empirismus jeder geprüften, anerkannten Gesetzlichkeit vorzieht, sich mit Originalität schmeichelt und hofft aus fortgesetztem Spielen und Pfuschen solle zuletzt ein Kunstresultat hervorgehen GWBB28,100,2 Boisserée 27.5.17 bes die Literatur betr Mit dreimal kaustischer Lauge sprach er [G] scherzend über die poetische A., wo der neueste Dichter zum größten ausgerufen werde Gespr(Bi1,525) Bertuch 17.4.08 Gespr(Bi2,5) WHumboldt 17./18.11.08 → GWBPreß- GWBScheitholzflöß- Syn GWBGesetzlosigkeit GWBUnordnung GWBVerwirrung vgl GWBChaos Zersplitterung zu 2 GWBIsolierungMaria ErxlebenM. E.