Ästhetik Auch Ae-. Der 1735 durch Baumgarten eingeführte u in der ursprünglichen Definition noch von Kant gebrauchte term Ästhetik für die mit der Vernunfterkenntnis der Philosophie (Logik) konkurrierende bzw sie ergänzende, auf Anschauung u die sensitiven Organe Herz, Gefühl, Empfindung gegründete sinnl Erkenntnis1) bei G nur im Kant-Zit; G selbst, der den Begriff erst nach 1800 u häufiger in der 2. Hälfte der 20er Jahre gebraucht, versteht Ästhetik wie Herder, Schelling u Hegel2) als philosoph Disziplin 1 Kunsttheorie3) die Verfasser der Propyläen .. Weit entfernt, auf Theorie im strengern Sinne Anspruch zu machen, war ihre Absicht Confessionen des Künstlers und Kunstfreundes zu liefern, welche für den Augenblick wirken und dem Philosophen künftig, wenn er mit der Ä. mehr im Reinen wäre, als Data dienen sollten, die er .. ordnete, aus höhern Quellen ableitete und ihren Werth bestimmte GWB48,11,13 Preise 1800 daß wir nicht lehrend, das heißt dogmatisch etwas festsetzend, sondern blos gleichsam im Discours belehrend zum Nachdenken auffordernd sprechen. Wie sich die Hauptelemente, aus denen ein Kunstwerk besteht, rangiren werden, mag sich zeigen, wenn der Philosoph mit der Ä. erst mehr im Reinen ist GWB48,228,9 Preise 1800 Plp Diese .. Gedanken [üb lyrische, epische u dramat Poesie] würden freilich erst im Gefolg des zusammenhängenden Vortrags einer wahren Haupt- und Grundschule der Ä. in ihrem völligen Werth erscheinen GWB421,176,2 TeilnManzoni [gegen Griepenkerl, Lehrbuch der Ästhetik] Die didaktische oder schulmeisterliche Poesie ist und bleibt ein Mittelgeschöpf zwischen Poesie und Rhetorik .. eine Ab- und Nebenart die in einer wahren Aesthetik zwischen Dicht- und Redekunst vorgetragen werden sollte GWBB40,143,7 Zelter 26.11.25=GWB412,225,19 ÜbLehrged Er [Schiller] legte hierdurch [‘Üb naive u sentimental Dichtung’] den ersten Grund zur ganzen neuen Ä.: .. wo vom Übergewicht reeller oder ideeller Behandlung zuerst die Rede war GWBN11,52,26 EinwirkgNeuPhilos GWBB20,250,17 Eichstädt 8.12.08 uö ‘transzendentale Ästhetik’, nur im Kant-Zit4) [Inhaltsverzeichnis der ‘Kritik der reinen Vernunft’] GWBN11,378,3u13u20 als formuliertes, individuelles System er [Fernow] wird seine Ä. noch einmal umschreiben müssen, wenn er [aus Rom] zurück kommt GWBB16,26,12 Voigt 26.1.02 Eine historische Darstellung der französischen Ä. von einem Deutschen wäre daher höchst interessant .. Standpuncte gewinnen, um .. eine allgemeine deutsche Ä., die jetzt noch so sehr an Einseitigkeiten leidet, vorzubereiten GWB45,217,1u6 RamNeffeAnm Voltaire iVbdg mit empir Nachbarwissenschaften Unsere Correspondenz, welche die Umstände, unter welchen Wallenstein geschrieben worden .. vorlegt, wird .. unsre Ä. immer inniger mit Physiologie, Pathologie und Physik vereinigen GWB40,182,3 Rez:Tieck,DramaturgBll 2 für die Kunst selbst als Gegenstand theoret Betrachtung dürfen wir wohl die Lyrik die höchste Rhetorik nennen, die aber wegen der in Einem Dichter kaum sich zusammenfindenden Eigenschaften höchst selten in dem Gebiete der Ä. hervortritt GWB421,175,22 TeilnManzoni vgl GWBArtistik GWBGeschmackskritik GWBGeschmackslehre GWBKunstlehre Theoretik 1) Den zugrunde liegenden griech Begriff αἴσθησις übersetzt G aus Aristoteles, Περὶ αἰσθή- σεως καὶ αἰσθητῶν | De sensu et sensibilibus, mit ‘Wahrnehmung des Sinnes’ GWBN3,12,11 FlH I ‘Sinneswahrnehmung’ GWBN3,12,20 ‘Empfindung’ GWBN3,12,15 u ‘das Empfindbare’ GWBN3,12,12 Vgl auch FAWolf in G-s Winckelm üb das “Aufkommen der deutschen Geschmackslehre (Ästhetik von αἴσθω, ich schmecke, wie Meier [GFMeier, der Popularisator der Lehre Baumgartens] ableitete)” (WA46,91). 2) Herder, Das vierte krit Wäldchen [1769]: “Unsere Ästhetik ist Wissenschaft .. nichts als Philosophen will sie bilden ..” (Werke, ed Suphan, 4,25). Schelling, der in seiner durch G geförderten Lehrtätigkeit 1802/03 üb ‘Philosophie der Kunst’ las, verwarf ausdrücklich den term Ästhetik wegen seiner Festlegung auf den empir-psycholog Bereich durch die Wolff/Baumgartensche Schule (Philosophie der Kunst, Neudr 1960,5f). Ähnl Hegel, der um 1820 den Ausdruck nur als konventionelle Bezeichnung akzeptierte, ihn inhaltl in der alten Definition als “Wissenschaft des Sinnes, des Empfindens” ablehnte u erklärte: “Der eigentliche Ausdruck jedoch für unsere Wissenschaft ist ‘Philosophie der Kunst’ ..” (Ästhetik, ed FBassenge, 1955,49). 3) Der folgende Beleg ist korrupt: Niemand will sterben, jedermann heirathen, und darin liegt der halb scherz-, halb ernsthafte Unterschied zwischen Trauer- und Lustspiel israelitischer Ä. GWB412,249,9 Zu Aristot,Poetik “israelitischer Ä.” ist Bleistiftzusatz von Riemer bei der Schlußrevision des Druckms, von John mit Tinte nachgezogen u dabei wohl verlesen. Die von G sorgfältig korrigierte erste Hs enthält diesen Zusatz nicht; G-s Durchsicht des Druckms liegt, entgegen der WA-Angabe 412,555 oben, offensichtl vor Riemers Korrekturen, s WA412,555 zu 247,13. Nach Auskunft des GSA ist die Bleistiftschrift heute nicht mehr zu entziffern, erkennbar nur eine runde Oberlänge in der zweiten od dritten Position (‘s’?); vdHellens Konjektur “in realistischer Ä.”, die Walzel in den JA-Text übernommen hat (“‘Realistisch’ wäre etwa im Sinne von ‘praktisch’ gebraucht, im Gegensatz zu ‘ideell’.” JA38,299), stimmt mit diesem Schriftbild nicht überein. Rehm macht in CA15,898 den Lesungsvorschlag “realistischer Ä.”. Heckers, von Schrimpf HA12,343 übernommene Konjektur “aristotelischer Ä.” (WA412,555) von Schadewaldt verworfen (mündl 14.9.72). 4) Die ‘transzendentale Ästhetik’ bildet den 1.Teil der transzendentalen Elementarlehre Kants, die ‘transzendentale Logik’ den 2.Teil; Kant definiert: “Eine Wissenschaft von allen Prinzipien der Sinnlichkeit a priori nenne ich die ‘transzendentale Ästhetik’” (Kritik der reinen Vernunft, PhB, S64).Horst Umbach H. U.