Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
abe komen stV.
1.1 absol.
1.1.1 ‘fortgehen’
1.1.2 ‘aus einem Amt ausscheiden’
1.2 mit Präp.-Obj. ‘(seinen Verfolgern) entkommen, (einer akuten Gefahr) entrinnen; (aus einer Gefangenschaft) freikommen, entfliehen’
1.3 mit Gen.-Obj.
1.3.1 ‘von etw. (Lästigem) los-, freikommen, etw. loswerden’
1.3.2 rechtsspr.: ‘sich einer Schuld, Strafe, Beschuldigung (bes. durch Entschädigung) entledigen’
1.3.3 ‘einer Zahlungsverpflichtung nachkommen’ (vgl. abedingen 1 )
1.3.4 ‘etwas (z.B. einen Besitz, ein Vorhaben) aufgeben, auf etw. verzichten, von etw. ablassen’
1.3.5 ‘verlieren’
1.3.6 ‘jmdn. loswerden’
1.4 phras., jmds. ougen ~ : ‘aus jmds. Augen kommen’
2 mit sachl. Subj.
2.1 ‘verloren gehen, nicht mehr vorhanden sein, aufhören’
2.2 ‘von etw. herkommen, von etw. ausgehen’
1 mit persönl. Subj. 1.1 absol. 1.1.1 ‘fortgehen’ mîn gesinde, [...] des lâ binamen niht komen abe: / sich, daz si mîn dâ bîten [...] Tr 7458 1.1.2 ‘aus einem Amt ausscheiden’ stirbet [ der ] vier vnd zweinzigen deheine, oder swie er abe kumet, so sun die andirn [...] einin andirn wellen UrkCorp 248AB,21,11. 1.2 mit Präp.-Obj. ‘(seinen Verfolgern) entkommen, (einer akuten Gefahr) entrinnen; (aus einer Gefangenschaft) freikommen, entfliehen’ is abir daz deimi meniscin deis got gihilphit, daz he abikumit in sien selbis huis edir in sienis naciburis [...], so insal in in deimi huis undi in deimi hoivi [...] nieman biesezzi Mühlh 96,6; daz von den strîten sint abe komen / manch vromer helt zû rechter nôt LivlChr 4918. – mit Ersparung des Präp.-Obj.: durch uwern willen kúmet er [der gefangene Ritter] nummer abe! Lanc 183,28; daz dritte ist ─ vnd mach nimer ab chomen, swer zeinem mal dar in chvmet ─ daz ist div iamerlich not der ewigen helle verdampnvsse DvAPatern 372 1.3 mit Gen.-Obj. 1.3.1 ‘von etw. (Lästigem) los-, freikommen, etw. loswerden’ daz wir mit dirre vuoge iht abe / des strîtes komen wellen Iw 7605; wie wir komen ab / der selben unmuoze [den Zweikampf hinter uns bringen] , / ze rosse oder ze fuoze Ottok 11257; zwelf mark silbers berait, da mit wir æiner not guͤlte [finanzieller Notlage] ab chomen sein UrkCorp N748,30. N749B,17; sô komet ir der schanden abe, / dâ mite ir sît gebunden HBirne 475; der anklebende siehtuom, des man niht abe komen mac swenne er beheftet niwan mit einer arzenîe DvASchr 349,40. – religiös: [ich] enmüeze ouch mîner sünde / niemer anders komen abe, / wan [...] Tr 14757; StrKD 81,87; DvAPatern 360; UrkCorp N749B,15; PrGeorg 13,16 1.3.2 rechtsspr.: ‘sich einer Schuld, Strafe, Beschuldigung (bes. durch Entschädigung) entledigen’ des [ tôtslac ] er mit dienste noch mit bet / niht ab komen kunde Ottok 27746; dem gebôt er [...], / daz er sîner schulden / ab kæm gegen dem rîch ebd. 81479; ist abir daz ein man den andern lemt so gehort ein lem gegen der andern er choͤme sein denne abe mit bete oder mit guete gegen dem dem er schaden getan hat UrkCorp 1914,3. 1.3.3 ‘einer Zahlungsverpflichtung nachkommen’ (vgl. abedingen 1): wer awer [...] daz ich oder mein erben [...] dez nicht abchemen vmb den zins vnd vmb di wandel, so schulle wir geuallen sein von allem vnserm recht UrkEnns 5,497 (a. 1327) 1.3.4 ‘etwas (z.B. einen Besitz, ein Vorhaben) aufgeben, auf etw. verzichten, von etw. ablassen’ selden se godes hulde gewinnen, the then [Reichtum] ze vile minnen, / se nekumen ave unrehter have MfrkReimb 369; ist aber, dc die vorgischriben bruͦder der vorginanden hofstat vnd huses mit hainen sachen sich intanent [= entânent ] vnd abe koment UrkCorp N676,25; dâ von mac ich niht komen abe / des ich mich an genomen habe, / daz müeze werden vollebrâht RvEAlex 8063; des willen ~ NibB 1396,1; MF:Reinm 40:4,1; LvRegFr 1423 1.3.5 ‘verlieren’ war umb hastu ie keinen stab genommen / und bist des in diesem lande abekommen? Pilgerf 10861. – des lîbes ~ ‘ums Leben kommen’ la mich den bracken schicken / da ich des libes kome ab! WhvÖst 3387; KvWAlex 396 1.3.6 ‘jmdn. loswerden’ iz was sîner mûter / sîn vater Philippus ab comen / und hete ein ander wîb genomen SAlex 456; daz wir sin [des unerwünschten Freiers] mit eren abe / niht muͤgen komen WhvÖst 1797; du loufst mir dise naht nâch / und kan dîn niht abe komen Niemand 347 1.4 phras., jmds. ougen ~ : ‘aus jmds. Augen kommen’ sie kêrent dar an gar ir sin, / wie er kome ir [La. irn ] ougen abe RvEBarl 4999. 2 mit sachl. Subj. 2.1 ‘verloren gehen, nicht mehr vorhanden sein, aufhören’ nu forchten sie das es [ gauckel ] nymer abekem Lanc 166,15. da sun wir fúr v́ns howin drisigge juchart oder mere, vnzint daz [die gekaufte Menge zu fällenden Holzes] abe kumpt UrkCorp (WMU) 1169,12; daz [das, was] gotes wort in der muter nam, / daz des nie nicht abe quam, / her enwere ganz an beiden, / [...] an gotlicher majestat [...] und ganz ouch an der menscheit HeslApk 14736 2.2 ‘von etw. herkommen, von etw. ausgehen’ [Jesus zu Veronika:] hinnaf [von dem Schweißtuch] saltu werdin rich, / [...] ouch sal dir zechin [Wunderzeichen] ave kuͦmen WildM 1,194; der múrdige schade ist dannan ab komen Tauler 195,21. Eckh 3:319,5
MWB 1 26,53; Bearbeiter: Tao