Eintrag · Grimm Neubearbeitung (1965–)
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ABBEISZEN vb. spätahd. ababîzen, mhd. abebîzen, mnd. afbîten, mnl. afbiten. 1 ‘ durch beißen abtrennen’, von nahrungsuchenden tieren ‘abfressen’ (so auch weidmänn., neben abäsen Heppe jäger [1779]3a. Dombrowski waidmannsspr. [1939]16): u1000 Zeno philosophus .. ter imo selbemo dia zungûn aba beiz Notker 1,22 ATB. ⟨1207⟩ (das roß,) daz im den vinger abe gebizzen hât Walther 104,18 K. 15.jh. dat brot, dar du eines hefst afgebeten grobian. tischzuchten 20 TSM. 1534 (bei schwieriger schriftlicher arbeit) den kopf .. kratzen oder die nägel abbeissen Franck encomion 94 G. 1565 daß sie (ochsen) die junge zarten schoͤßlin (der bäume) nicht .. abbeissen koͤnnen Heyden Plinius 240. 1615 weil der esel die disteln im feldt abbeist vnnd frist Albertinus landtstörtzer 644. 1731 hatte (er) .. mir die vordersten gelencke zweyer finger .. abgebissen Schnabel Felsenburg 1,45 DLD. ⟨1885⟩ (er) beißt die spitze (der zigarre) ab Anzengruber 310,243 B. ⟨1906⟩ an den rändern (der feldwege) .. gab es noch immer was abzubeißen (für das vieh) Kröger nov. (1914)2,157. ⟨1951⟩ die finger mit den abgebissenen nägeln Rehfisch hexen (1957)51. — mit objektumsprung: 1539 die (baldrian)wurtzel .. ist .. abgebißen zasecht Bock kreutterb. 1,15a. 1570/7 das die ziegen die beume nicht schelen oder abbeissen haushaltung in vorwerken 128 E./W. ⟨v1867⟩ jede patrone, die er für die Franzosen abgebissen Kügelgen jugenderinn. (1870)70. 1913 (er) biß eine neue zigarre ab Kellermann tunnel 295. a bildlich: ⟨1349/50⟩ die valschen nâchreder, die den läuten .. haimleichen ir êr abpeizent Konrad v. Megenberg b. d. natur 227 P. ⟨1538⟩ ich hab im nicht allein die abusus, sonnder auch doctrinam angegriffen vnd das hertz abgepießen Luther tischreden 3,656 W. 1602 daß die zarte wollüst abbeissen alle kraft deß gemuͤts vnd der tugenten Albertinus haußpolicey 5/7,73a. 1715 solche kleine fische müssen aber nicht in das siedende wasser gethan werden, weil die schärffe ihnen die haut abbeißen .. würde Amaranthes frauenzimmer-lex. 456. 1832 die kindische regierung hier hat wieder ein großes stück freiheit abgebissen Börne 6,128 G. 1852 laß dir .. nicht die nase vom frost abbeißen Goltz jugendleben 1,191. — als grammat. terminus für apokopieren: 1623 eine lächerliche sprache .. (in Bologna), dann sie die letzten syllaben im reden mehrentheilß abbeißen Christian d. j. zu Anhalt tgb. 177 K. 1641 (die Franzosen) mügen die wörter abbeissen, schläncken und zerziehen Schottel sprachkunst 92. 1646 liebe du, lauffe du .. oder lieb du, lauff du, .. da auch das erste für richtiger gehalten wird, und also sag, lieb, geh, steh abgebissen ist ertzschrein 362 K. 1749 man muß nicht am ende das e oder sonst einen selbstlaut abbeißen Gottsched sprachkunst 562. 1770 sundheit gesundheit, sundnis dasselbe. die bauern beissen es kurz ab und sagen sundse, sunse brem.-ns. wb. 4,1098. b in redensarten sehr gebräuchlich. α da beißt die maus keinen faden ab (u. ä.) das ist unabänderlich dagegen ist nichts zu machen (Meisinger in: zfdmda. [1909] 24f.; Borchardt/W. redensarten [1955]330; zur frühesten bezeugung vgl. Fischer schwäb. 1,5) ⟨1644⟩ sein (des podagrakranken) kleiner finger kan jm sagen, was (welches wetter) im gantzen land geschehen solle: vnd da beißt kein mauß kein faden ab Moscherosch gesichte (1646)4,44. ⟨1853⟩ ihr mann ist abgesetzt; da beißt die maus nicht den faden ab Ludwig ges. schr. 3,78 S./Sch. ⟨1876⟩ Spielhagen s. rom. (1895)8,125. 1958 das ist nun mal so, da beißt die maus keinen faden ab Bartsch geliebt 478. mdal. allgemein. β obd. jmdm. abbeißen ihm schaden zufügen, ihn benachteiligen: 1534 eyn yeder trachtet auff seinen nutz, eynem andern .. beißt er gern ab Agricola sprichw. f 1a. besonders jmdm. nichts abbeißen: ⟨1844⟩ das sein herrn von solidigkeit .. (zu Babette:) dir beißen s’ nix ab Nestroy 12,130 B./R. ⟨1879⟩ Anzengruber 310,173 B. ⟨1888⟩ d’ schwobe (schaben) hänt mer no nia nex vo meim kurze schlof abisse! Storm 6,300 K. γ der scham und schande den kopf abgebissen haben das schamgefühl in sich ertötet haben, der schande nicht achten: 1563 die schmarotzer .., die der scham und schand den kopff gar abgebissen haben Kirchhof wendunmuth 1,261 LV. ⟨1647⟩ welche allen tugenden gut nacht gegeben vnd aller schande den kopff abgebissen Olearius reisebeschr. (1663)186. 1777 Adelung wb. 3,1670. ⟨1887⟩ ob er sich schäme. .. ‘nein.’ ‘.. wieso nein? hast aller scham den kopf abgebissen?’ Ebner-E. 5(1905)26. δ gott und den heiligen die füße abbeißen spöttisch für ‘die füße küssen’ und allgemein zur verhöhnung eifriger religionsausübung oder zur schau getragener frömmigkeit: 1574 schaw wie ist diser (kirchgänger) so gottsfoͤrchtig, er wil vnserm herr gott gar die fuͤß abbeissen Höniger narrenschiff 155a. ⟨1598⟩ (die) in der vollen weiß (im trunkenen zustand) vnserm herrn wöllen die füß abbeissen Albertinus gastereyen (1619)150. 1719 ich muste dir heissen .. eine fromme Mitouche, die allen heiligen die zähe abbeissen wolte Ettner maul-affe 522. ⟨1815/6⟩ (er) stellte sich so fromm, als wenn er allen heiligen die füße abbeißen wollte Tieck (1828)3,178. ε sich eher die zunge abbeißen als (etwas sagen) 1568 eh ich .. bekennen wolt/ wolt ich mich lassen eh zureissen/ wolt mir die zungen selbst abbeissen/ damit ich nicht bekennen kündt texte Böhmens 129 W. ⟨1732⟩ Liscow schr. (1739)129. 1827 geschmeidig (soll ich werden)? eher beiß’ ich mir die zunge ab! Grabbe 1,210 F./Z. ⟨1883⟩ Heyse [1924] I 4,130. ⟨1937⟩ ehe ich dich um einen groschen zu bitten wage, beiße ich mir lieber die zunge ab G. Hauptmann ausgew. prosa 3,142 M. ζ (den kopf, ein ende) abbeißen eigentlich ‘ein glas halb austrinken, einen teil des flascheninhalts abtrinken’: ⟨1844⟩ beiß ihm (schoppen) den kopf ab Auerbach (1857)18,29. kannst ok ’n enn’ afbiten (aufforderung zum trunk aus der flasche) meckl. wb. 1,91. den köm mußt du nich afbiten (sondern ganz trinken) hamb. wb. 1,45. dann allgemein ‘trinken’ dër most ist guet, men chann-en grad abbîssen schweiz. id. 4,1689. meist norddt.: 1897 eenen abbeißen einen (schnaps) trinken Brendicke berl. wortschatz 73. ⟨1930⟩ setz dir hin und beiß erst mal einen ab Hermann Wordelmann [1955]226. 1953 eine art schifferkneipe ... hier kann man .. ‘einen abbeißen’ Rudolph Rügen 32. 2 älternhd. auch durchbeißen, namentlich den hals, die kehle abbeißen: 15.jh. den (esel) warff ich (wolf) nyeder zue der erden/ vnd payß yme abe die keln sein erz. altdt. hss. 504 LV. 1480/1 das ich (maus) dir (katze) daz netz (in dem du gefangen bist) gantz zernag vnd abbyß Pforr b. d. beispiele 135 LV. ⟨1579⟩ o könt ich dem Luther den halß abbeissen Fischart binenkorb (1588)97b. 1709 (der wolf) wurff den dragoner zu boden vndt biß ihm die gurgel ab Elisabeth Ch. v. Orleans br. 2,77 LV. 1821 der erzürnte gnome .. beißt mir die kehle ab E. T. A. Hoffmann 9,207 G. 3 durch beißen verdrängen, wegbeißen, nord- und mitteldt besonders von futterneidischen tieren: 1407 dar quam eyn voghel vnde wolde to deme lichamen, to hant was dar de raven vnde bet ene af Schiller/L. mnd. 1,19a. ⟨v1565⟩ sehe ein jeder zu, das er etwas gruͤndliches vnnd gewisses lerne, daruon lasse er sich keinen hund abbeissen Mathesius Syrach (1586)2,60a. 1669 böses gewissen ist wie ein guter wachender haushund, der die diebe .. abbeissen wil Schottel sittenkunst 604. 1812 weil diese (schwächere ferkel), von den andern abgebissen, nur halb satt werden Thaer grundsätze (1809)4,382. ⟨1823⟩ die jungen thiere beißen ihre alten ab von dem futter Immermann 16,365 B. ⟨1909⟩ der alte vom berge (fuchs) hat den schmarotzer (fremden fuchs) abgebissen (von der beute) Löns Mümmelmann (1921)146. ⟨1954⟩ großvater weicht wie ein abgebissener grauhund zur seite Strittmatter Tinko (1958)374. 4 (gut) abbeißen in einer beißerei tüchtig zurichten: 1807 Campe wb. 1,5a. 1828 der eine adler bekam den andern zu packen, und sie bissen sich für das erstemal gut ab Görres 15,84 Sch. 1864 möchte mein hund doch den von N. gut abbeißen Gutzeit Livland 1,2b. Dückert
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15.–20. Jh.
Neuhochdeutschabbeiszen
Grimm (DWB, 1854–1961) · +1 Parallelbeleg
abbeiszen , demordere, nnl. afbijten, davon beiszen. sich die nägel ( vom finger ) abbeiszen. der schlange den kopf abbe…
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Cotta, M. (2026). „abbeiszen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 16. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/abbeiszen/dwb2
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Cotta, Marcel. „abbeiszen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/abbeiszen/dwb2. Abgerufen 16. May 2026.
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Cotta, Marcel. „abbeiszen". lautwandel.de. Zugegriffen 16. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/abbeiszen/dwb2.
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