zwölfte ,
ordinalzahlwort. got. nicht bezeugt; an. tolfte,
norw. tolvte,
schwed. tolfte,
dän. tolvte;
ags. twelfta,
engl. twelfth;
mnl. twaelfte, twelefste, twaelefste,
nl. twaalfde;
ahd. zwelifto,
mhd. zwelfte.
vereinzelt begegnet das bei den ordinalzahlen von 20
ab gebräuchliche st-
suffix des superlativs: tvelefste (1254)
corpus altdt. originalurk. 1, 61
Wilhelm; zwelftist Ottokar
reimchron. 19315 (
hs. 4)
Seemüller. neben ausschlieszlich schwache flexion in älterer sprache treten in mhd. zeit auch starke formen sowie frühnhd. unflektiertes zwölft.
der gebrauch folgt den für alle ordinalia gültigen regeln, s. Behaghel
syntax 1, 439
ff. zum lautstand s. unter zwölf,
sp. 1433. 11)
rein abzählend in der reihenfolge: ni habat er in thia redinani si ekord einlif thegana; ih meg iz baldo sprechan,ther zuelifto uuas gisuichan Otfrid IV 12, 58;
ex duodecima fone dero zueleftun Notker 1, 738
Piper; die zwelfte blvm ist szzewan die heizzet minne
jüng. Titurel 1888, 1
Hahn; Gregorius der zwölft Ulrich v. Richental
chron. d. Constanzer conzils 14
lit. ver.; Antiochus, der zwölfft wütrich Hans Sachs 1, 227
lit. ver.; aber da sie nun das zwölffte jar erlangeten
buch d. liebe (1587) 108
a; aus allen diesen schönsten blumen hat Leopold den zwölften tag des blumenmonats mai anno 1675 Abr. a
s. Clara
w. 1, 51
Strigl; du (
Körner) erhältst hier das zwölfte horenstück, worin dein brief über den meister abgedruckt ist (1797) Schiller
br. 5, 145
Jonas; da schlägt die uhr die zwölfte stund' Körner
w. 2, 150
Hempel; in der ersten hälfte des zwölften jahrhunderts Ranke
s. w. 14 (1875) 39. 22)
in besonderen wendungen. verbindung des zahlworts mit selb,
geläufig im mhd., später nur vereinzelt: ich wil selbe zwelfterin Guntheres lant (
d. h. ich selbst als zwölfter =
ich und elf andere)
Nibelunge noth 60, 2
Lachm.; der fuor selbe zwelfte do mit zwelf pflgen wol bereit Rudolf v. Ems
weltchronik 34802
Ehrismann; vnnd rittest du selbst zwölffte, von ihm würdest du angerandt
Venusgärtlein 76, 2
ndr. vgl. dazu die heute gebräuchliche wendung zu zwölft (
entstanden aus vermischung von selbzwölft
und zu zwölfen,
vgl. Behaghel
syntax 1, 444): ich sah das nie geahnte elend der jüdischen ghettobevölkerung, die zu acht, zu zwölft in ebenerdigen oder unterirdischen zimmern wohnten St. Zweig
welt v. gestern (1947) 284. —
einer wendung wie: ynn der andern episteln zun Corinthern am zwölfften capitel Luther 30, 2, 179
W. entspricht ein verkürztes: als Jesus Christ redt warlich Matthei am zwölfften
schweiz. schausp. d. 16.
jhs. 3, 43
Bächtold. in der bezifferung bei aufzählungen: zcum zcwelfften Luther 9, 264
W.; zum zwölfften Judas Nazarei
v. alten u. neuen gott 58
ndr. in neuerer sprache meist durch zwölftens
ersetzt. das zwölft
ein spiel mit zwölf steinen (
vgl. zwölfemal, zwölfer 2),
s. Frischlin (1586) 279
b. in zwölfter stunde
soviel wie '
in letzter minute, im letzten augenblick' (
in anlehnung an gr. δωδεκάτης ὥρας,
vgl. Dornseiff
d. griech. wörter im Deutschen 19): der ball war riesig nett, ... frau Mira hatte uns in zwölfter stunde noch einen schub damen versorgt Polenz
Grabenhäger (1898) 2, 290; alles noch in zwölfter stunde retten lassen Rilke
br. 2 (1950) 270. 33) an dem zwölften (tage)
für epiphanias als dem zwölften tage des mit dem 25.
dezember beginnenden kirchenjahres, vgl.: in deme zwelften tage der in der schrift epyphania ist genant (1286)
cod. dipl. Warmiensis 1, 125
Woelky-Saage; allmählich (
etwa in der zweiten hälfte des 14.
jhs.)
tritt eine formelhafte erstarrung ein: dat is geschen na der iartal godes bort dusent iar drehundert in deme anderen iar en drutteghesten, in deme twelften daghe der bort vnses heren Ihesu Cristi (1332)
bei Riedel
cod. dipl. Brandenburgensis 1, 22, 125; (
der ausbieter der pfandstücke) sol auch vail tragen mänichleich in acht tag vor weihnachten unz auf den zwelften (1379)
österr. weist. 5, 384; nach goddes ghebort dusent iar unde drehundert iar in deme tweyundeneghentestigheme iare, in deme groten heren daghe, de dar het twelften (1392)
cod. dipl. Anhaltinus 5, 149
Heinemann; dat was in dem sesten dage na twelften (
Magdeburg 14.
jh.)
städtechron. 7, 52.
die ursprüngliche bedeutung dieser dativform der ordinalzahl wird dunkel, und der ausdruck wird als nominativ pluralis die zwölften
auf die gesamte zeitspanne zwischen weihnachten und epiphanias übertragen, vgl. Campe 5 (1811) 977
b.
die form hat sich bis heute, namentlich in den maa. und der umgangssprache, erhalten, vgl. in den twolften
brem.-ns. wb. 5 (1771) 142; Mensing
schlesw.-holst. 5, 222; zwölften, in den zwölften Hennig
pr. wb. (1785) 315; die zwölften Müller-Fraureuth 2, 723
a; Stauf v.
d. March
nordmähr. maa. 99; Birlinger
wb. z. volkstüml. 96: ... mein seliger ohm, der die hölzung hütete, laurt da einmal auf den fuchs in den zwölften bei mondlicht J. H. Voss
sämtl. ged. (1802) 2, 38; et is in'n twölften, man darf den wulf nich nän'n Wander
sprichw.-lex. 5 (1880) 680; lichte zwölften, dunkle (
volle) scheunen; düstre zwölften, lichte (
leere) scheunen Frischbier
pr. wb. 2, 503
a; so brennt man in den zwölften asche, die zur vertilgung des ungeziefers ... dient
hdwb. d. dt. aberglaubens 8 (1936) 1423.
in literarischen belegen der neueren zeit wird die ordinalzahl gelegentlich als unorganisch empfunden und der ausdruck durch die zwölfe
bzw. in den zwölfen
ersetzt, s. zwölf. 44) der
bzw. das zwölfte
als steuerliche abgabe, und zwar der zwölfte teil des gewinns bzw. ertrags: item es mögen auch die gewergken die schlagkenhalden und zegell, so sie aus irem erzt machen, zu irem nuz und notdurft zu geprauchen macht haben, doch unserem zehenden ader zwelften ane schaden (1529)
codex dipl. Silesiae 21, 9
Wuttke; empfangen an golde 3761 thl. ..., von denen ir. hochfürstl. durchl. gebührender zwölfte abgezogen als 313 thl. (1655)
ebda 214; '
der nach abzug des landesherrlichen zehnten verbleibende zwölfte theil der in einer grube gewonnenen mineralien als erbstollengebühr' Veith
dt. bergwb. 600.