zugethan,
adj. ,
das ptc. perf. von zuthun
hat sich auf besonderem wege zu einem adj. von eigenthümlicher bedeutung entwickelt. 11)
in verwendung auf personen. 1@aa)
es bezeichnete ursprünglich ein äuszeres, durch recht und sitte bestimmtes verhältnis, und zwar der verwandtschaft: affinis beschwägert, ... zugethan und verwand Corvinus
fons latinus 340; zugethan, verwandt
conjunctus affinitate Dentzler 2, 367
a.
ständig gepaart verwandt und zugethan G. v. Berlichingen
lebensbeschr. 72
Bieling; Fischart
ehzuchtbüchl. 192
Hauffen; ehlich zugethon Spreng
Äneis 50
a; von Alberto hertzogen in Sachsen begehrte ein abenthewrer einen groschen wegen der freundschafft, mit welcher sie einander (
von Adam her) zugethan waren Lehmann
floril. 4, 31.
oder der unterthänigkeit: dweil e.
m. dem bapst mit eid oder bundesgenossenschaft zuogethon ist J. Sleidanus
reden 175
Böhmer; des ... hosenteuffels aus dem aller hindersten ort der hellen, geschworne und zugethane gesellen und hoffgesinde Musculus
hosenteufel 20
neudr.; die freyen ..., die niemanden mit lehenspflicht zugethan
M. I. Schmidt
gesch. der Deutschen 1, 540. 1@bb)
es drückt zugleich die zu einem solchen verhältnis gehörige ergebenheit aus: die neu ehgetraute ... wird mit der weil seine gefolgige zugethane gehülfin Fischart
ehzuchtb. 128
Hauffen; indem der pfalzgraf und herzog von Bayern ... noch zu sehr seinem jungen vetter Konrad zugethan war
M. I. Schmidt
gesch. der Deutschen 3, 73; so treu und warm, wie heute dem infanten, auch dermaleins dem könig zugethan? Schiller 5, 1, 62
G. (
Dom Carlos, 1.
fassung I 9); der gemeine freie, der dem könig oder einem seiner vasallen nicht mit besonderer treue zugethan war, sollte eigentlich nur zur landwehr ... aufgeboten werden Eichhorn
d. staats- u. rechtsgesch. 1
3, 393. 1@cc)
im kanzleistil erscheint es in formeln der ergebenheit und gnade Campe: seines
etc. herrn mit unveränderter treue zugethaner
N. N. Harsdörfer
t. secretarius 2, 27; Marie, der glorwürdigsten königin des reichs der himmel ... überreichet aus schuldiger pflicht ... diesen vierdten theil seiner hirtenlieder ... ihr ... mit ewiger liebe verbundener und zugethaner unwürdigster Johannes Angelus Angelus Silesius
heil. seelenlust 180
ndr.; die ganz vorzügliche hochachtung ..., mit der ich ew. hochwohlgeboren schon längst zugethan bin Göthe IV 36, 260
W. von seiten des höherstehenden Campe: fromme junckern .. welche ... allen getrewen kirchendienern geneiget und mit allerley beförderung günstig zugethan weren B. Ringwaldt
lauter wahrh. (1585)
vorr. a 8
a; zum beschlusz wünsche, dasz der geehrte leser ... mir mit seiner gunstgewogenheit beständigst zugethan bleiben möge Fr. Hahn
einl. z. teutschen reichshist. 3,
vorr. 21; bis dahin bleiben wir euch in gnaden zugethan Meisl
theatr. quodlibet 2, 93. 1@dd)
von da aus geht es in den allgemeinen gebrauch über und bezeichnet ein von dauernder gesinnung getragenes verhältnis zu einer person: diese kaiserin ihnen sonderlich gut und zugethan wäre A. U. v. Braunschweig
Octavia 1, 558; es dürften die römische ritter gefahr stehen, weil der richter des orts den juden sehr zugetahn seyn solte A. H. Bucholtz
Herkuliscus (1665) 64; wem er einmal zugethan ist, dem bleibt ers ewig J.
M. Miller
briefw. dreier ac. freunde 1, 62; der kleine kellner, der uns sehr zugethan war Göthe 25, 175
W.; brüderlich z. Lohenstein
Arminius 2, 40
b; Lichtenberg
briefe 1, 70; z. wie eine schwester O. Ludwig 1, 165; mit ganzer seele z. J.
M. Miller
briefw. 1, 12; mit treue z. Göthe 39, 328
W.; in treuen z. Storm 2, 252; von herzen z. Henrici
ernst- und scherzh. ged. 1, 86; Bettine
die Günderode 2, 220; herzlich z. W. v. Humboldt
an Welcker 23.
es ist ein wort der freundschaft und bezeichnet auch in der liebe zwischen mann u. weib das beständige mehr als das begehrende: das fräulein Wahngild ist ... keinem mit ... beständiger liebe zugethan Harsdörfer
gesprechspiele 5, 259; zuerst, mein süszes kind, musz ich dir sagen, dasz ich mit liebe dir, unsäglich, ewig, durch alle meine sinne zugethan H. v. Kleist 2, 308
E. Schm. 22)
auf andere verhältnisse übertragen, zeigt es dieselbe entwicklung von einem äuszerlich thatsächlichen zustand zu einer inneren beziehung. 2@aa)
es bezeichnet die zugehörigkeit einer sache zu einer person: es dunckt mich schier nach deim verstandt, dasz du auch etwas seist verwandt der kunstreichen Minerva schon, dern dann ein eul ist zugethon Fischart
Eulenspiegel 23
hauffen; von der dem kriegsgotte zugethanen Clio Lohenstein
Arminius 2, 494
b.
auch '
passend': dieses lexicon ... sey dem teutschen genio mehr zugethan als des Veneroni Castelli
it.-t. wb.5 vorr. 2
b.
nicht mehr üblich. 2@bb)
seit der reformation wird es von der zugehörigkeit zu einem bekenntnis gebraucht, wie 1 a: die sammentliche herren, fürsten und stände, Augspurgischer confession zugethan
acta publ. 1, 154
Palm; wodurch ihm dieser schwermer vorwerffen wolte, dasz er heimlich der catholischen religion zugethan wäre Chr. Warnecke
poet. vers. 349; der neuen lehre zugethan Wackenroder
herzensergiesz. 186.
in weiterer anwendung: dieser ketzerey z. Gryphius
Horribilicribrifax 58
ndr,; Franciscus und Francisci orden ... u. dieser regel zugethane geistliche Abr. a St. Clara
mercks Wien 36; die partei, der er z. war Göthe 7, 96
W. 2@cc)
daneben oder allein drückt es das innere verhältnis der ergebenheit oder hinneigung aus: ob er gleich seiner religion eifrigst zugethan war Chr. Fr. D. Schubart
leben u. gesinn. 1, 238; da lebten wir kinder Lutheraner von etwas predigt und gesang, waren aber dem kling und klang der katholiken nur zugethaner Göthe 2, 211
W. einer meinung zugethan
sein, sie sich zu eigen machen: wir sind allerdings der meynung unsrer correspondenten zugethan, und beantworten diese frage mit ja
vernünft. tadlerinnen 2, 177. 2@dd)
die innere theilnahme geht über in äuszeren antheil: dieser kunst zugethan
M. Böhme
roszarznei vorr. 3
a; der bergkunst z. Ph. Bech
Agricolas bergwerksbuch vorrede 2; ein lustiger und dem frauenzimmer zugethaner mensch
Leipziger avanturieur 1, 91; sie waren weder so feindselig gegen die Türken, noch so nachsichtig gegen die klöster, oder der inquisition so zugethan wie er (
Pius V.) es gewünscht hätte Ranke 37, 237; dem deutschen alterthum z. Scherer
kl. schr. 1, 7.
so auch von der hinneigung zum bösen: aller fleischlicher wollust
z. B. Ringwaldt
lauter wahrh. (1585)
vorr. a 2
b, dem geize Stieler
geharnschte Ven. 147
ndr., der hexerei Prätorius
glückstopf 23, den geheimen künsten Brentano 4, 289. 33)
als subst. früher für das äuszere verhältnis: gehorsame catholische zugethanen des h. römischen stuls Fischart
bienenkorb (1588) 175
a; es schweret der beklagte .. mit zwölf eydgesellen, das ist mit verwandten, schwägern oder zugethanen Nigrinus
v. zäuberern 312; also kan es (
das laster) auch zu hofe, und von desselben zugethanen, nicht gesondert werden Butschky
Pathmos 111; gönner und zugethane des ordens Fr. L. Jahn 2, 549.