zerlassen,
verb.,
ahd. za(r)-, zilâzan,
as. telâtan,
mhd. ze(r)lâzen, -lân,
mnld. telaten;
tritt im as. intrans. in der bedeutung des reflexiven gebrauches (
s. unt. 2)
auf, sich zertheilen, sich zerstreuen: so tilet thiu luft an twe
Heliand 3144; 2899;
auch 391;
im übrigen gilt nur trans. oder refl. construction; 1)
trans. auseinander lassen, a)
im sinne von α)
schmelzen: zelâzet sie (
die schloszen; liquefaciet ea) Notker
ps. 147, 18;
mhd. wb. 1, 952
b; Lexer 3, 1072; Jelinek 984; dem si z. golt in seinen hals gussen U. Füeterer
bayer. chr. 5
Sp.; ein bley zerlahn Paracelsus
op. (1616) 1, 114
a H.; salb den kropf ... mit zerlasznem speck, darinnen bachbungen und klettenkraut gesotten Gäbelkover
arzneib. 1, 165; z-e butter Amaranthes
frauenz.-lex. 20;
vielfach lexikalisch bezeugt: Frisius 247
a; 210
b; 774
b; Maaler 515
b; Bas. Faber 622
b; Schöpper
syn. 81
b Sch.-K.; Stieler 1077;
usw.; bes. sprachliche verbindungen: dieses alles unter einander auf einem sanften kohlfeuer zu einer salben z. Mart. Böhme
roszarznei (1618) 42; zulasz es mit eynander Sebiz
feldbau 154; wan man das golt mit dem feüwer zerlath Seb. Münster
cosm. 8; bey dem feuer z. H. Braunschweig
chir. 97
b; am feuer z. Schwan 2, 1099
a,
woneben modern auch über dem feuer z.
gebräuchlich ist. erhalten hat sich z.
in der einschränkung auf butter, schmalz, während für speck auslassen, ausbraten
bevorzugt und von erzen allein noch schmelzen
gesagt wird; vgl. zerlassung.
in den mdaa. ist z.
gleichfalls unbeliebt mit ausnahme etwa der beharrsamen bair. (
s. Schmeller-Fr. 1, 1511);
β)
lösen: zerlasz den zucker in melissenwasser Gäbelkover
arzneib. 1, 17; mit zerlasznem kalch Guarinonius
greuel 497;
veraltet, doch noch: die farben sind ... in wasser z. Winckelmann
s. w. 3, 254;
auch für mischen noch: jedesmal ward ungefähr zwei loth solcher fleischbrühe auf den mann darin (
in gekochten erbsen) z. J. G. Forster
s. schr. 1, 25;
γ)
bildlich nach zerflieszen 2
vom herzen: ein blauAeugiges mAedchen ... hat das eiskalte herz ihres freundes in empfindungen z. Th. Abbt
verm. w. 3, 102;
aber ungewöhnlich und wohl verlassen 5 (
th. 12, 1, 729)
gleich: wee den z-en hertzen, welche gott nicht glauben O. Brunfels
pandektenbüchl. (1528) 46
a;
schlieszlich gut verständlich: das weib von lieb verwund, in lauter zAehr zerlassen Spee
trutznachtig. (1649) 54; b)
für auseinander ziehen lassen, ehen lassen, α)
entlassen: do der keyser tzulies sin her
herzog Ernst D 1561;
cod. dipl. Lusat. sup. 2, 410;
β)
fallen, gleiten lassen, öffnen, aufthun: zilazet iuwaru nezziu zi fahenne (
Luk. 5, 4;
laxate: werfet ... aus Luther)
Tatian 19, 6;
ausbreiten, entfalten, z. b. flügel: Hiob 14495
K.; hände: Jes. 35, 3
erste bib. 8, 442; er ... zerliesz den rok ob dem herzen und liesz in das herzenkleinet sehen Seuse
d. schr. 143
B.; sogar noch bei Gutzkow: z-e strohbündel
ges. w. 1, 170;
zerlegen: und zerliesz man etlich buchszen, dasz man si nit gfuoeren kond uf karren J. v. Watt 1, 554;
s. hierzu schweiz. id. 3, 1410; 2)
refl. (
wie 1),
a α)
mhd. sehr geläufig; vgl.: sô die sunne ûfgât, alzehant er (
der flusz) sich zelât (
thaut auf) Ulrich v. Eschenbach
Alexander 26 434; das eys zerläszt sich durch die wAerme Stieler 1077;
nahe steht die beziehung auf einen körperschaden: der ... schaden (
des pferdes) zerlAest sich J. Walther
pferde- u. viehzucht 62;
b α)
sich zerstreuen, sich verlaufen: Wirnt v. Gravenberg
Wigalois 3135; also zerlies sich alls volk U. Füetrer
bayer. chron. 192
Sp.; J. v. Watt 1, 498;
von versammlungen, festen, zeitabschnitten auseinandergehn, sich enden: dô diu hôchzît sich zelie Rudolf v. Ems
gute Gerhard 5104; nachdem sich ... derselb tag ... z.
urk. z. gesch. Maximilians I. 176
Ch.; β)
sich öffnen: des morgens, sô sie (
die rose) sich zerlât Ulrich v. Eschenbach
Alexander 19 169;
sich ausbreiten, z. b. wurzeln: Hiob 2956
K.; sich auflösen: und zerliesze sich das schiff ..., dasz ein trum dahin, das andere dorthin ... ausgeschwummen Jan Rebhu
weltkucker 4, 6; —
andere zss.: ab-, an-, auf-, aus-, be-, ein-, ent-, er-, nach-, über-, unter-, ver-, vor-, zulassen. —
zu 1 a)
zerlassung, f.: W. Serlin
beob. (1672) 1, 194; die liquation oder z. (
im gegensatz zur fusion oder schmelzung
von metallen und mineralien), welche eigentlich nur fr das fette der thiere, das wachs ... gehOeret und durch ein geringes feuer geschiehet
Noel Chomel 2, 1230.