wundersache,
f.,
im 17.
und in der ersten hälfte des 18.
jhs., älter oder jünger nur gelegentlich neben gleichbedeutendem wunderding
und wie dieses einfaches wunder
vertretend. 1)
für wunderbares handeln oder geschehen im religiösen oder magischen bereich, nicht über die mitte des 18.
jhs. hinaus: ist das nicht eine wundersach? mir vorstehen alle sprach (
vom pfingstwunder)
Alsfelder passionsspiel 252
Grein; Simon Magus ein haupthexenmeister vnd zauberer hat wundersachen zeigt bey seiner zeit Abr. a
s. Clara
Judas 2 (1689) 283. 2)
gebräuchlicher in allgemeiner kennzeichnung des auszerordentlichen, bemerkenswerten, ungewöhnlichen; meist in der beziehung auf konkretes: was dergleichen mehr wundersachen allda zu sehen waren (
dasz z. b. statt treppen am rathaus ein aufzug war)
grillenvertreiber (1670) 159; (
der briefträger) hatte ja noch ein dickes packet ähnlicher wundersachen (
wie einen brief aus Berlin) in vorrath Holtei
erz. schr. (1861) 21, 126.
in positiver wertung, '
schöne dinge': drinnen werdet ihr herrlichere wunder sachen antreffen. ihr werdet, einen tempel sehend, selbigen vor nit ärmer an gottheiten, als der alten Römer ihre waren, bekennen müssen S. v. Birken
ostl. lorbeerhayn (1657) 97; das sind wundersachen! das ist eine pracht Chrph. v. Schmid
ges. schr. (1858) 18, 65.
älter auch mit negativem wertakzent: allen wundersachen (
schwierigkeiten, nöten) tuot sie (
frau Venus) rat meister Altswert 34, 1
Holland-Keller; dasz etliche ... das ketzerisch gifft an sich gesogen, sich mit handschrifften vnd communion mit den wundersachen (
der arianischen ketzerei) verbunden haben Fabricius
auszzug bewerter hist. (1599) 324.
hierher wohl es wäre eine wundersache '
das wäre noch schöner, wäre eine schöne geschichte': es wäre eine wundersache, wenn ganze churfürstenthümer sich wollten neutral machen, was wollte daraus werden? (1641)
urk. u. aktenstücke z. gesch. d. kurf. Friedrich Wilhelm v. Brandenburg 1, 712
Erdm. anders, der bedeutung '
wunderlich, sonderbar'
nahe: von den boumen nieman fliuhet, ir obez ouch selten ieman schiuhet, die ein ûzsetzic mensche hât gebelzet: und sölte des selben unflât den boum unreine ouch machen, daz kêm von wunder sachen Hugo v. Trimberg
der renner 2802
Ehrismann. 3)
in der bedeutung 2
häufig in mehr oder weniger festen verbalverbindungen: die liebe, wenn sie wil, verrichtet wundersachen und kan die wilden zahm, die feigen kühne machen Gryphius
trauersp. 273
Palm; als er (
aus der höhle) wieder herausz kommen, hat er wundersachen erzehlet Prätorius
anthrop. pluton. (1666) 1, 119; wenn du muth findest, noch ein vierteljahrhundert am leben zu bleiben, so wirst du ganz andere wundersachen erleben (
als einen echten neger auf der bühne)! Holtei
erz. schr. (1861) 37, 131. —