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wunderbaum

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wunderbaum m

Bd. 30, Sp. 1858
wunderbaum, m , vereinzelt wundelbaum (s. u. 1 a). 11) in botanisch fachsprachlicher benennung. 1@aa) zufrühest und bis heute vorwiegend für den ricinus (ricinus communis L.), der in älterer sprache lat. oder sonst fremdsprachlich croton (gr. κρότων), kiki (gr. κίκι), kerva (arab.), palma Christi, cataputia maior usw., in deutschen synonymen kreuzbaum, zeckenbaum, zeckenkörner, römischer hanf, wollenkraut usw. heiszt: wunderbaum oder wundelbaum nent man creutzbaum vnd zecken körner Bock kreutterb. (1539) 1, 82b. hier auch mit einem erklärungsversuch: (am stengel) werden die bletter in der höhe die aller grOeste vnd breytste, des sich wol in disem gewAechs zuouerwundern ist, vnd wunderbaum genent mag werden, dann es haben gemeynlich alle andere gewAechs die grOesten bletter gegen der wurtzel, vnd nit an den stengeln ebda (anders Campe 5 [1811] 785a). bereits im 13. jh., hier freilich für ein hedera der vulgata, das aber nach dem zusammenhang nicht auf den epheu, sondern den ricinus gedeutet werden musz: also berait unser herre (dem Jonas vor der stadt Ninive) ainen bovm der haizet in der latine hedera unde entüzschon haizeter ain wunder bovm alder ain schat bovm (vgl. Jona 4, 6) dt. pred. d. 13. jhs. 2, 102 Grieshaber. auch arbor mirabilis ein wunderboum Gersdorff wundarzney (1517) 89b scheint auf den ricinus zu gehen, vgl. dazu: ein jetzt viel bekannteres purgativ, ricinus (r. communis) wird im mittelalter nicht eher als bei Albertus (6, 20) zum erstenmal erwähnt, und zwar unter dem in der heutigen botanik üblichen namen 'wunderbaum' (arbor mirabilis) Wimmer gesch. d. dt. bodens (1905) 293. ferner: arbor mirabilis haizt der wunderleich pâm Megenberg buch d. nat. 313 Pf. weiterhin: ricinus ... wunderbaum (mirabilis arbor) creutzbaum, türckischer hanff, römischer hanff, mollenkraut, zeckenkörner Pancovius herbar. (1673) 342; ricinus, palma Cristi und cataputia major, sind ihre (einer oben bezeichneten pflanze) bekannteste lateinische, und wunderbaum und zeckenbaum die teutsche namen Ehrhart pflanzenhist. (1753) 11, 63; wunderbaum, gemeiner. ricinus communis L. Holl pflanzenn. (1833) 423a. 1@bb) seit dem späten 18. jh., z. t. wohl nur vorübergehend, auch für andere gewächse. 1@b@aα) für die silberpappel, populus alba L.: populus alba ... arbor admirans vulgo ... wunderbaum Schwenckfelt stirpium cat. (1600) 165a; Gleditsch forstwissensch. (1774) 1, 663; Holl pflanzenn. (1833) 273b. 1@b@bβ) für die robinie, robinia pseudacacia L.: psevdoacacia ... wunder-baum quibusdam dicitur, quod nomen alii ricino imponunt Ruppius flora ienensis (1726) 208; Holl pflanzenn. (1833) 303a. 1@b@gγ) für adelia ricinella L. (ein tropisches wolfsmilchgewächs): ricinellquästchen; der kleine wunderbaum Nemnich polyglottenlex. 1 (1793) 73. 1@b@dδ) für ricinus mappa L. bei Krünitz öcon. encycl. (1773) 240, 206. 1@b@eε) für ricinus tanarius L. bei Krünitz a. a. o. 1@cc) in einigen fällen bleibt die botanische zuordnung unsicher, doch dürfte es sich hier um ricinus communis (s. 1 a) handeln: es treibt der pöfel mit disem gewächs, den man abrahamsbaum vnnd wunderbaum nennet, viel aberglaubens Wirsung artzneyb. (1588) 17b; ferner: herba sensitiva oder herba mimosa, zu teutsch rühret mich nit an, drachenbaum, indianischer wunderbaum, areca, palmapina, indianischer dattelbaum, musa, mamocra, ananas, cacao etc. Prätorius anthrop. pluton. (1666) 2, 170; mohn, psilium alterum, österreichischen bertram, wunderbaum, siler montanum, teutschen pfeffer (aufzählung der bei Neustadt Wiesenthal in gärten wachsenden pflanzen) Lehmann hist. schaupl. (1699) 472. 22) in auszerbotanischer bezeichnung gewisser bäume. 2@aa) für einen als naturkuriosum beurteilten baum, im blick auf irgendwelche ungewöhnliche eigenschaften: von einem wunderbaum ..., dessen blätter ... wasser von sich trieffen lassen Chr. Weise polit. redner (1677) 484; laszt uns nun auch selbst die früchte dieses wunderbaums (maulbeerbaumes) besehn Brockes ird. vergnügen 9 (1748) 172. 2@bb) für einen baum mit übernatürlichen eigenschaften oder kräften, im bereich der religion und des mythos: wo sind die wunderbäume, die in ihm (dem garten Eden) wuchsen, der baum des lebens und der baum der weisheit? haben diese zaubergewächse je geblühet? Herder 11, 323 S.; der fruchtbeladene wunderbaum, hesperias in alter inschrift genannt Ed. Gerhard akad. abhandl. (1866) 1, 20. 2@cc) nur soviel wie 'wunderschöner baum'; so vielleicht schon mhd.: anderhalp zer linken hant (des grabes) ein wunderboum gepflanzet was; ... der gap sô guoten gesmac ... sîne bluomen wâren rôsenvar, dar ûffe was der vogele sanc Konrad Fleck Flore u. Blancheflur 2077 Sommer; die dattelpalme ... ward in Italien ... gezogen ..., nicht der früchte wegen, sondern wie eben heut zu tage, als wunderbaum und um der blätter bei öffentlichen festlichkeiten sich zu bedienen Mommsen m. gesch. 1 (1856) 806. vom christbaum: als das schönste an dem wunderbaum muszte aber wohl gerühmt werden, dasz in seinen zweigen hundert kleine lichter wie sternlein funkelten E. T. A. Hoffmann s. w. 6, 198 Gr. 33) in übertragener, auf bild und vergleich beruhender anwendung. 3@aa) in christlicher bildsprache: dasselbe corpus ist das geformte göttliche wort, welches sich erstlich hat mit Adam in einen einigen stamm eingeführet, und durch ihn in einen baum vieler zweige, äste und früchte ... so spricht der prophetische mund dieses wunderbaumes in göttlicher kraft alle stimmen der kräfte des baumes aus Jac. Böhme s. w. 5, 216 Schiebler. anders vom kreuz Christi: ist das der wunderbaum? ist disz das werthe holz, darauf wir christen sein so prächtig und so stolz? Fleming dt. ged. 1, 23 lit. ver. 3@bb) jünger in der beziehung auf lebensmächte und geistige werte: den wunderbaum der sprachen Schelling w. I 8, 453; als in Italien und Frankreich lang der goldne wunderbaum der poesie in voller blüthe stand Deinhardstein ges. dram. w. (1848) 6, 6. 3@cc) seltener von personen oder vereinigungen: der Indianer palm bringt zwar viel schöner sachen, man kan wein, essig, oel und honig ausz ihm machen, ... seht aber unsern palm, den Teutschland hat erzeuget ... seht diesen wunderbaum (von der fruchtbringenden gesellschaft gesagt) Rist neuer teutscher Parnasz (1652) 661; das beneficium des klosterlebens ..., dessen frieden ... einen wunderbaum an gelehrsamkeit, Trithemius, den abt zu Sponheim, ungekränkt wachsen liesz Kolbenheyer Paracelsus 1, 179. —
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    Neuhochdeutsch
    Wunderbaum

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Der Wunderbaum , des -es, plur. die -bäume, der Nahme eines ausländischen Gewächses, dessen Blumen eine ungewöhnliche Ge…

  2. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Wunderbaum

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Wunderbaum , s. Ricinus .

  3. modern
    Dialekt
    Wunderbaum

    Schweizerisches Idiotikon

    Wunderbaum Band 4, Spalte 1249 Wunderbaum 4,1249

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wunder+baum

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Cotta, M. (2026). „wunderbaum". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 14. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/wunderbaum/dwb?formid=W28319
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Cotta, Marcel. „wunderbaum". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/wunderbaum/dwb?formid=W28319. Abgerufen 14. May 2026.
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Cotta, Marcel. „wunderbaum". lautwandel.de. Zugegriffen 14. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/wunderbaum/dwb?formid=W28319.
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