weihbischof,
m. suffraganeus, mhd. wîch-, wîhbischof
mhd. wb. 1, 168
a; Lexer 3, 817,
mnd. wi(g)elbischop Schiller-Lübben 5, 708
f. helfer des bischofs mit bischöfl. würde und befugnis, dem namen nach inhaber eines nichtchristlichen sprengels, in der älteren kirchlichen amtssprache episcopus in partibus (infidelium).
unter zurückdrängung des älteren namens mhd. kôrbischof Lexer 1, 1679
kommt weihbischof
seit ende des 14.
jahrh. rasch auf: schwäb. wich bischoff
Mones anz. 4, 237;
els. wyhebischof
städtechron. 8, 405;
bair. weichpischoff Diefenbach
gloss. 183
a;
ostmd. wybischoff
n. gloss. 256
a;
preusz. wyebischof
Marienb. treszlerb. 434
Joachim; rhein./westf. wihe-, wiebischop Diefenbach
gloss. 565
a.
seitdem ist das wort bis heute in jedem gröszeren sprengel des ganzen sprachgebiets gangbar. es bez. den beamten bei Keisersberg
bilg. 14
c; Hutten
sat. u. pasqu. 2, 27
Schade; Luther 18, 230. 29, 359
Weim.; Sachs 17, 261
Keller-Götze; Tschudi
chron. helv. 1, 173; Schweinichen
denkw. 28
Österley; Fischart
binenk. 163
b.
auch später wird das wort lit., so oft gelegenheit dazu ist: für die amtsverrichtungen mögen ihre weihbischöfe ... sorgen Nicolai
reise 5, 24; das kleine weihbischöfchen Jean Paul 27/29, 36; einen für fromm geachteten weihbischoff sahe sie grau in der kleidung eines armen Jung-Stilling 6, 463; sieht er nicht aus fast wie ein weihbischof? Hebel 2, 257
Behaghel; so soll ich am freitag mit ihm und dem weihbischof zu mittag speisen B. v. Arnim
die Günderode 2, 64.
die classiker haben keinen anlasz es zu brauchen. im 19.
jahrh. bei den historikern: J. v. Müller 10, 183; Raumer
gesch. d. Hohenst. 6, 29; Ranke 3, 180.
auch in die sprache der staatl. verwaltung aufgenommen: Bitter
handwb. d. preusz. verw. 2 (1906) 790,
doch drängt hier, seit im 19.
jahrh. episcopus titularis
als kirchl. amtsbez. gesiegt hat, das wort titularbischof
nach: dasz man diese titular- oder weihbischöfe auf den titel eines in den händen der ungläubigen befindlichen bisthums consecrirte Eichhorn
d. staatsgesch. 2 (1821) 416. weihbischof
ist aber glücklicher gebildet, insofern es den vertreter des bischofs nach den sinnfälligsten pontificalhandlungen benennt, die er vollzieht: an Symon Judas tag früe zwu stund auf den tag da leget ein weihbischof den ersten stain (
zur kirche)
städtechron. 10, 157
f.; ist die capell von ainem wichbischoff von Costentz ... gewycht worden Öheim
Reichenauer chron. 35
Barack; mein weybisschoff, da er mich zum pfaffen macht und den kelch ynn die hand gab Luther 30 ii 306
Weim.; schicken nach dem wychbischoff mit groszem kosten, welcher kam und wycht die kirch und den kirchhoff wider Wickram 3, 99
Bolte; da der wey-bischoff den priester mit sonderbahren ceremonien ... öhlet und weyhet Dannhawer
cat.-milch 3, 74; morgen ... wird der fromme abt Norbert als weihbischof die kapelle einweihen Ch. v. Schmid 7, 190.
gerade die sinnfälligkeit seiner amtshandlungen macht den weihbischof
früh zum ziel reform. angriffe: sagt der weichbischof: wolan, wöllen des knaben eltern 20 gulden darauf wagen, so wil ich im den namen Hans widerumb abnemen Regius
sat. u. pasqu. 3, 150
Schade; wie bischofflich thondt unsere weychbischoff, welche gevatterschafft erwöllenn, so man ain glocken wil teuffen Eberlin 2, 8
neudr.; ein weybischoff, der heist nicht Heintz, mich dünckt, der esel sey von Meyntz Schnausz
bei Wackernagel d. kirchenl. 3, 942; sie haben des kein hel, das ein weihbischoff oder bapstmüntzer durch die ölung ein unausleschlich zeichen auff jre platten ... drucket Mathesius
Sar. 185
b.
hier wurzeln die spottnamen weibbischof Diefenbach
gloss. 565
a und weinbischof (
s. d.).
gelegentlich lebt der alte übermuth spät noch einmal auf: nun erst fiel mir eins von den kreuzen in die augen ... vermuthlich mit einer kreide gemalt, über die ein weihbischof den segen gesprochen hatte Thümmel
reise 3, 235.
in den wb.n erscheint der weihbischof
vom 15.
bis 19.
jahrh. regelmäszig, weil name und sache stets der erläuterung bedurften. bemerkenswerth ist von da allein, dasz weihbischof
an dem reichen übertragenen gebrauch des wortes bischof
bescheidenen antheil nimmt: die kegelschnecke erzbischof,
conus archiepiscopus L. (
th. 3, 1080)
hat eine abart, die nach Campe 5, 641
b weihbischof
heiszt.