wanderstab,
m. ,
stab des wanderers. 11)
das wort tritt im 16.
jahrh. auf: ir solt nicht haben golt noch silber, nicht gelt an eueren gürteln, kein daschen, auch nicht zwen röck noch schuo noch ein wanderstab Schade
satiren 3, 95, 6; Eumeus raichet im ainen wanderstab Schaidenreiszer
Odyssea (1537) 72
a; S. Petri gurt zu Poitiers, sein wanderstab zu Cölln Fischart
binenkorb (1588) 63
b.
die wörterbücher haben es seit dem 17.
jahrh.: wanderstab,
bordone, bastone de' pellegrini Güntzel 831; reise-
sive wanderstab,
scipio viatorius Stieler 2110; wanderstab oder wandersteck eines pilgers,
a pilgrim's staff Ludwig 2380; wanderstab, wanderstock,
wandelstaf Kramer (1719) 259
a; wanderstab,
bâton de voïageur, bourdon de pélerin Rondeau. 22)
gern als kennzeichen eines wandrers angeführt: der wanderstab steht wartend an der pfoste, und mein geräth liegt auf den weg bereit. Pyra u. Lange 43 (15, 41)
neudr.; wo ... Benoit der alte senne liegt und neben ihm der Barry gut, der wanderstab, der breite hut. A. v. Droste-Hülshoff 3, 158
Kreiten; die bittren salsen und den wanderstab, das ungesäuert-dürre brot ... weihet sie (
die muse) uns zu ewgem freiheitfest. Herder 12, 103
Suphan; mit ihrem wanderstab hatte wol frau Aventiure an des dichters thür gepocht J. Grimm
kl. schr. 1, 100. 33) am wanderstabe, mit dem wanderstab gehen: wenn ich dies thal durchzieh' am wanderstabe. Rückert
werke 1, 336; am frischgeschnittnen wanderstabe wenn ich in der frühe so durch wälder ziehe, hügel auf und ab. Mörike
ged.22 34; der blinde schleicht am wanderstabe. v. Arnim 21, 61; kam nachher ein andrer bursch mit ränzel und wanderstab vorbeigeschlendert Heine 5, 314
Elster; er ... trat ohne aufschub ... den wanderstab in der hand, die fuszreise wieder an v. Holtei
erzähl. schr. 2, 295.
bildlich für '
wandern, von einem ort zum andern ziehen': vom mädchen reiszt sich stolz der knabe, er stürmt ins leben wild hinaus, durchmiszt die welt am wanderstabe, fremd kehrt er heim ins vaterhaus. Schiller 11, 307 (
glocke); ich hab verlassen vaterland um dein göttliches worte, mit dem wanderstab in der hand gesucht ein fremdes orte. Hartmann
hist. volksl. 1, 62, 5 (
nach 1629); hülflos soll er nun am wanderstabe noch die welt durchziehn. Falk
satiren (1800) 2, 182; folg an meinem wanderstabe treugesinnt nur meinem herrn. Novalis 1, 69
Minor. 44) etwas als wanderstab gebrauchen: weil ich die flinte statt eines wanderstaabs gebrauchte Schnabel
insel Felsenburg 1, 124
neudr.; als nahwaffe gebrauchte er die keule, und selbst diese öfters nur als wanderstab Göthe 49, 120
Weim. ausg. etwas dient als wanderstab: wachholder-bäumchen waren es, welche ... dem handwerksburschen als knotiger wanderstab dienen v. Holtei
vierzig jahre 1, 186;
bildlich: dieser ... einflusz der untersuchungen, auf welchen das barometer wie ein stützender wanderstab in der verwirrenden welt der erscheinungen diente Ritter
erdkunde (1822) 1, 43. sich den wanderstab schneiden: von mächtiger haselstaude schnitt er sich einen festen wanderstab Scheffel
Ekkeh. 67;
bildlich: verachtung auf den trunkenbold; er schneidet sich den wanderstab zu einem allzu frühen grab. Sauter
ausgew. ged. 39
Kilian. 55) den wanderstab nehmen, fassen, ergreifen, nach dem (zum) wanderstab greifen: (
ich legte) schwert und harnisch ab, nahm pilgerkleid und wanderstab. Langbein
schriften 1 (1841) 41; setzet den runden hut auf das haupt und fasset den wanderstab und verlässet die höhle. Mörike
ged.22 86; seinen wanderstab ergriff er jetzo und verliesz die hauptstadt Heine 1, 366
Elster; da ergriffen die vier brüder den wanderstab, nahmen abschied von ihrem vater, und zogen zusammen zum thor hinaus Grimm
märchen (1843) 2, 243; da griff ich nach dem wanderstabe ... zog lustig weiter in die welt. Lenau
ged. 1, 194.
bildlich für '
die wanderung antreten, weggehen': geh freyheyt! nimm den wanderstab! Stoppe
Parnass (1735) 332; den wanderstab aus frommer mutter hand nahmst du getrost in's fernste lebens-land. Göthe 4, 141
Weim. ausg.; und ihren herzallerliebsten zu sehn nahm sie gen London den wanderstab. Arndt
werke 6, 210; drauf faszte sie den wanderstab und pilgerte zu seinem grab. Körner 1, 311; nun der liebe mann ergrief den wanderstab zu ziehen seinen weg. Harsdörffer
frauenz. gesprächsp. 6 Ee 5
a; zum groszen schaden und ärgernisz der alt-evangelischen einwohner, die noch wohl würden ... den wanderstab ergreifen müssen, wenns so fortgienge Nicolai
Seb. Nothanker 2, 227; auf das gerücht von Egmonts verhaftung ergriffen abermals gegen 20,000 einwohner den wanderstab Schiller 7, 318; auch einzelne völkerstämme ... muszten ... gezwungen werden, den wanderstab zu ergreifen Ritter
erdkunde (1822) 1, 1044; einen blick nach dem grabe seiner haabe sendet noch der mensch zurück — greift fröhlich dann zum wanderstabe. Schiller 11, 312 (
glocke). noch heute, wenn der Deutsche seine heimat überdrüssig geworden ist, greift er nach dem wanderstab und steigt auf ein schiff J. Grimm
kl. schr. 8, 466; noch einmal schau, und dann gekräftigt weiter erhebe deinen wanderstab! Rückert
ges. ged. 5, 17, 66) den wanderstab wohin setzen, fort setzen, weiter setzen, wohin richten, tragen,
bildlich: überall wohin der unstete (
H. v. Kleist) seinen wanderstab setzte verfolgte ihn ... die wilde frage: 'stehst du auf, Germania? ...' Treitschke
d. gesch. 1, 323; künftigen märz setze ich meinen wanderstab gewisz fort Gleim
briefwechsel 1, 383
Körte; sobald wir abgegessen hatten, setzten wir unsern wanderstab weiter, obgleich es schon sehr spät war
fürst Pückler
briefw. u. tageb. 2, 157; es hat mich nicht gereut, einmal meinen wanderstab nach dieser seite gerichtet zu haben v. Görres
ges. briefe 3, 407; ein erbe deiner waisen, die ihren frommen wanderstab nach dem gelobten lande tragen. Pfeffel
poet. versuche (1812) 7, 104; endlich musz der wander-stab sich zum vaterlande rüsten. Schmolcke
schriften (1740) 1, 152. den wanderstab niederlegen
u. dgl.: zugleich wird es der ruhesitz des unternehmers selber sein, wenn er dereinst von seiner letzten sängerfahrt zurückkommt und den wanderstab für immer niederlegt Steub
drei sommer in Tirol 1, 148; das heiszt wohl schlecht gewohnt, wenn uns der wander-stab nie aus den händen kömmt; wenn wir durch list und stricke hinstraucheln in der nacht, da wenig licht zu sehn. v. Canitz
gedichte (1734) 145; in der krankheit. sinke, schwacher wanderstab! welke, welke, leib! ich will dich nimmer! Kerner
bilderbuch (1849) 315. 77)
daran schlieszen sich freiere wendungen: alle wünsche dieser zeiten gaben wir um einen hin: immer so der seeligkeiten süszen taumel einzuziehn; mit vereintem wanderstabe so durchs leben hinzugehn. J.
M. Miller
ged. (1783) 275; sie war noch zart, halb kind, da schon ihr wanderstab an dem Ilissus sich den wohnsitz auserkohren. v. Ayrenhoff
werke (1814) 3, 111, 3; ein stilles heimweh ist mit dir geboren, hast du gleich früh den wanderstab verloren. Brentano 2, 304. 88)
sprichwörtlich: er erinnerte sich des wortes: der beste wanderstab ist der buchstab Rosegger
nixnutzig volk 96.