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wahnglaube

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wahnglaube m.

Bd. 27, Sp. 666
wahnglaube, m. unbegründeter, irriger, falscher glaube. in dem worte, das seit dem 16. jahrh. nachzuweisen ist, sind zwei bildungen zusammengefallen, eine zusammensetzung mit dem adj. wahn (nd. wangelofe ten Doornkaat Koolman 3, 507) und eine mit dem subst.; im ndl. steht noch wangeloof neben waangeloof (ohne unterschied der bedeutung). auch die hd. wörterbücher unterscheiden z. th.: bei Stieler 2428 wanglaube 'falsa fides' neben 665 wahnglaube 'spes vana' und Adelung will wenigstens der bedeutung nach 'irriger, falscher glaube' und 'eingebildeter glaube, ein glaube, welchen man zu haben sich einbildet, ohne ihn wirklich zu besitzen' sondern. dagegen Rondeau (die meisten älteren wörterbücher haben das wort nicht) nur wahnglaube, foi imaginaire, inutile und auch Campe läszt den unterschied fallen. bedeutung. 11) das wort wird meistens auf das verhältnis des menschen zum übernatürlichen bezogen: darumb bestehet er (der Türke) eben bey diesem wohnglauben in nöthen und fewer der trübsal, wie heuw stroh und stupffel. sprichwörter (Frankf. 1591) 12a. häufiger begegnet das wort erst gegen ende des 18. jahrh., wie es auch von Heynatz 2, 608 als ein neues wort für 'irrglaube' bezeichnet wird: ohne sich darum zu bekümmern, dasz die armen leute ihren wahnglauben für den wahren glauben hielten. Wieland 29, 73 (über den gebrauch d. vernunft in glaubenssachen, von 1788); es kann nämlich dreierlei art von wahnglauben, der uns möglichen überschreitung der grenzen unserer vernunft in ansehung des übernatürlichen, (das nicht nach vernunftgesetzen ein gegenstand weder des theoretischen noch praktischen gebrauchs ist) geben. erstlich ... der glaube an wunder. zweitens ... der glaube an geheimnisse. drittens ... der glaube an gnadenmittel. Kant 6, 380 (religion); fühle man noch so sehr das widersinnige eines glaubens, der für die scheingüter einer schwärmenden einbildungskraft, für leblose heiligthümer, zu bluten befiehlt — wer kann der heroischen treue, womit diesem wahnglauben von den geistlichen rittern gehorsam geleistet wird, seine achtung versagen? Schiller 9, 395 (gesch. d. Malteser); wollte man daher diesem wahnglauben (astrologie) fernerhin einige aufmerksamkeit schenken. Göthe 55, 53 (nachträge zur farbenl.); der fromme wahnglaube vom hereinbrechen des jüngsten tages ... war in karolingischer und späterer zeit ein sehr häufiger. Scheffel Ekkeh. 461; die erinnerung an ihr (der hexen) heidnisches wesen mischte sich mit einem wüsten gewirr fremden oberglaubens, der fast aus allen völkern des alterthums in dem heidnischen Rom, der groszen garküche jedes frommen wahnglaubens, zusammengeflossen war. Freytag 19, 364 (bilder 2, 2, 11). 22) dann auch sonst von verkehrten, falschen anschauungen: aufzutreten wider die verdrehungskunst der neuern staatsweislinge, den wahnglauben kleinmüthiger seelen. Jahn volksthum xix; heere kehren im wahnglauben selbst waffen und wehre gegen das vaterland. 362; nachdem die Girondisten von ihrem grundirrthum, von ihrem wahnglauben an die möglichkeit einer ... humanen republik in Frankreich sich hatten verleiten lassen. J. Scherr hammerschläge 360. hier schlieszt sich auch, auf dinge die in zukunft eintreten können bezogen, wahnglaube, spes vana bei Stieler an. 33) als 'unglaube' oder 'ungläubigkeit' ist das wort im hd. nicht nachweisbar, wol aber im ndl.: wangheloove, incredulitas. Kilian 651; wangeloof wanglaube i. e. misglaube, mistrauen, méfiance. Kramer holl.-d. wb. 501. vgl. wahngläubisch.
3514 Zeichen · 67 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wahnglaube

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Der Wahnglaube , des -ns, plur. inusit. in der Theologie, von wahn, irrig, unächt, ein irriger, falscher Glaube. Ingleic…

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Ableitung von wahnglaube

wahnglauben + -e

wahnglaube leitet sich vom Lemma wahnglauben ab mit Suffix -e, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

Zerlegung von wahnglaube 2 Komponenten

wahn+glaube

wahnglaube setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

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Cotta, M. (2026). „wahnglaube". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 19. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/wahnglaube/dwb?formid=W02486
MLA
Cotta, Marcel. „wahnglaube". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/wahnglaube/dwb?formid=W02486. Abgerufen 19. May 2026.
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Cotta, Marcel. „wahnglaube". lautwandel.de. Zugegriffen 19. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/wahnglaube/dwb?formid=W02486.
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