vorhängen,
verb. ,
vgl.fürhängen th. 4, 1, 1,
sp. 443;
über die entstehung der gemischten flexion von hängen
s.hangen th. 4, 2,
sp. 440. Adelung
unterscheidet ein verb. irreg. neutr. also ein starkes intrans. vorhangen
und ein verb. regul. vorhängen
also ein schwaches verb. mit activer bedeutung; so bezieht er hängt vor
auf vorhangen,
starke präteritalformen führt er nicht an. diese werden im allgemeinen nur intrans. gebraucht, transitive anwendung ist selten: Venus hing wahrscheinlich einen postzug brieftauben ihrer gondel vor Jean Paul 1, 280
H.; ein schreckbar schwarz gewölk, das sich ihm (
dem mond) vorgehangen Triller
poet. betracht. (1750) 3, 55; den pflug, den früh er zu der furche stellt, hing gleich sein sonnenrosz ihm Bjelbog vor, braucht dieser bauer nimmermehr zu wenden Brentano (1852) 6, 298.
in älterer sprache auch mit e
statt des ä: sambt der vorhengenden täschen Guarinonius
grewel d. verwüstung (1610) 1229; die beyden fräulein hatten ihre gesichtskappe vorgehenget Bucholtz
Herkuliskus (1665) 829; hengt den blinden flor verlangter dunkelheit der Türcken augen vor Pietsch
geb. schr. (1740) 19. 11)
intrans., hervor, nach vorn, vornüber hängen: Livia aber hatte das haupt mit einem viereckichten schleyer umhüllet, unter welchem doch ihre aufgeflochtenen haare vorhingen Lohenstein
Armin. 2 (1690) 958
a; v. des kopfes! bedenkliche gebärde Lavater
physiogn. fragm. (1775) 1, 88; (
flöckchen,) die aus dem dunkeln knäuel (
der wolken) vorhingen Stifter (1901) 1, 131; gipfel, wo eine steinige fläche ... vorhing Anzengruber (1890) 3, 190; da du gingst grasen und bückst dich also über dnasen, das die gsellen hingen für Fischart 1, 141
Kurz (gesellen,
testiculi s. th. 4, 1, 2,
sp. 4034); wie ein zerfressener fels weit vorhängt über seinen schwachen fusz (
as doth a galled rock o'erhang and jutty his confounded base)
Shakespeare, könig Heinrich V. 3, 8.
häufig in diesem sinne das part. präs.: eine bildsäule ... mit etwas vorhängendem bauche Wieland
Lucian (1788) 1, 172; (
mond) wie vorhängend in dem dunkelblauen gewölbe Thümmel
reise (1791) 7, 216; das haupt steht vertical, weder zurückgebogen noch vorhängend Engel (1801) 7, 129; (
sie) sitzt, mit vorhängendem leibe, die augen vor sich starr auf dem boden Grillparzer 5, 91
Cotta; gehört sich das, dasz man so vorhängend sitzt? Nestroy (1890) 5, 32; weit vorhängende tannenzweige bildeten ein schutzdach gegen die sonne Fontane I 4, 313. 22)
vor etwas hängen, intrans.: ja (
sie) brechen ein thor auff, da ein kschwantz vorhieng Fischart
geschichtsklitt. 414
ndr.; (
gipfel des Himalaya erblickt man nicht,) weil ihnen stets eine staubfarbige nebel- oder wolkenschicht vorhängt Ritter
erdk. (1822) 6, 1182; da reit er under das frawentor, da hieng ein par reuterstifel vor Uhland
volksl. (1881) 342. 33)
trans., etwas vor ein anderes hängen: ein tuch vor etwas fürhängen Steinbach (1734) 1, 696; eine decke v., vor das fenster, vor die öffnung; ein kreuzchen an das halsband v.; ein schlosz v., vor die thür Campe; Moses muste eine decke oder umbhang fürhängen (
vor sein gesicht) Dannhawer
catech.-milch (1657) 1, 262; gleich denen albern vögeln, welche sich durch die schönen rothen beeren, welche man ihnen vorhängt, anbringen und fangen lassen Sperling
Nicodemus quaerens 2 (1719) 209; der papagei, dem man vorhängt die spiegelwand Rückert (1867) 8, 80.
wie vorspannen: frische pferde v. zu lassen Thümmel
reise (1791) 5, 436;
im bilde: muschelwagen der Venus ..., wovor er eine taube und einen habicht vorgehängt Jean Paul (1826) 22, 227. — diese wagen hatten nämlich zu beiden seiten lange gatter mit vorgehängten fresztrögen Immermann 18, 55
B.; als ich die thür aufschlosz, fand ich inwendig die kette vorgehängt Seidel
Leberecht Hühnchen (1899) 284. — vorgehängt,
sich nach vorn überbeugend: indessen dreht er den körper nach der rechten, vorgehängt über die kniee Welcker
alte denkm. (1849) 1, 423. 44)
bildlich und übertragen: deine scheinheiligkeit wird deinen fehlern schon eine decke v. Ettner-Eiteritz
mediz. maulaffe (1719) 36; (
die Griechen) haben uns keine andere exempel gegeben, als welche die sittenlehre der fabel allezeit hinten an- und nie vorhängen Triller
poet. betracht. (1750) 2, 595; man kann seiner leidenschaft sehr leicht immer eine lockspeise v. Heinse 3, 177
Sch.; es ist dies der vorgehängte schleier zwischen der ältesten periode des volkes Israel und der dagegen verhältniszmäszig sehr modernen Araberzeit Ritter
erdk. (1822) 14, 9. 55)
mit v.
sind eine reihe von subst. zusammengesetzt: vorhängeblatt, n., '
vorlage, die vor die schüler zum nachzeichnen gehängt wird' Krünitz
öconom. encycl. 241, 114. —