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verzeihlich

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

verzeihlich adj.

Bd. 25, Sp. 2540
verzeihlich, adj. , verbaladjektiv zu verzeihen C. selten von einem persönlichen verhalten: der küng ain milt, verzichlich man was J. v. Watt hist. schr. 1, 241 G.; fEadsāiliΧ gern verzeihend Schöner Eschenrod 84. meist jedoch in hinsicht auf das, was zu verzeihen ist, vgl. unverzeihlich teil 11, 3, 2132. 11) zur bezeichnung einer schuld, die verziehen, vergeben werden kann; in diesem sinne vergeblich 2 d (s. o. sp. 392) entsprechend; peccatum veniale ablessig, licht, taglich, verzichlich sunde (variloquus 15. jh.) bei Diefenbach gl. 418b; eine leicht verzeihliche sünde peccato veniale Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1437b: souil din gmüt dapferer ist, souil verzychlicher (ignoscentior) sy, das miner torheit din gerechtikeit etwas hilf sy Terenz deutsch (1499) 78a; er überantwortet auch das heilige kleid, aber gezwungen ausz forcht, daher es auch bei den seinen eine verzeiliche missethat war Lautenbach Egesippus (1575) 110a; der gedancke aber, darinn der mensch ein wenig verwillige, ... bringe nur ein verzeihliche sünde Nigrinus v. zäuberern (1592) 445; aber es giebt doch auch verzeihliche verbrechen C. F. Weisse lustsp. (1783) 2, 83; sieh ein verzeihliches vergehn mit andern augen an Schiller 15, 1, 70 G.; brenn' kirch' und kloster nieder: du thust verzeihlichere sünde, als in der gewalt so harter beschuldigung der reinsten unschuld maler Müller w. (1811) 2, 52. 22) seit der 2. hälfte des 18. jhs. häufig in zusammenhängen, in denen die beziehung auf eine schuld mehr und mehr in den hintergrund tritt, vgl. verzeihen C 2 b u. 3 c. das wort zielt hier mehr auf ein nach allgemeinverbindlichkeit strebendes urteil über das, was in der menschlichen gesellschaft für zulässig und noch tragbar gehalten wird. die schon bei verzeihen C begegnenden motive des verstehens (2 b) und der rechtfertigung (3 e) treten hier in den vordergrund; so kann verzeihlich schlieszlich das bezeichnen, was verziehen werden sollte oder müszte, vgl.: dergleichen ... halte ich bey einem manne, der einmal in der laufbahn ist, für sehr erlaubt, verzeylich, und sogar nothwendig Knigge roman m. lebens (1781) 2, 153; wie bey diesen umständen jeder die unvollständigkeit der benutzten quellen natürlich und verzeihlich finden musz Savigny gesch. d.m. rechts (1815) 1, XII vorr.; die schwärmerei einiger philosophen ist ebenso natürlich als verzeihlich, wenn sie den zusammenhang des ganzen weltgebäudes durch eine grosze allgemeine liebe erklären wollten Tieck schr. (1828) 14, 191; und was ist es denn, was ich getan habe? was sich erklärt, ist auch verzeihlich Fontane ges. w. (1905) I 4, 436. 2@aa) auf eine verfehlte auffassung, falsche einstellung, eine irrige ansicht und dgl. bezogen, 'verständlich, erklärlich'; vgl. verzeihen C 2 b α: diese art der abgötterey scheint ... die früheste ... und die verzeihlichste zu seyn M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 1, 44; bey solcher glückseligkeit ist es doch wol ... ein sehr verzeihlicher irthum der imagination, wenn uns die menschen von der gewöhnlichen art nicht mehr gnüge thun Zimmermann üb. d. einsamkeit (1784) 3, 130; der glaube an gespenster und an andre dinge dieser art ist wohl der verzeihlichste in solchem geheimen wahnregister Herder 17, 227 S.; in Lear und Macbeth und Hamlet, und allen stücken ist die veränderung des orts ..., gewisz nicht blos fehler, nicht blos zulässig und verzeihlich ebda 5, 242; ein fehler, der beim beginnen jeder wissenschaft unvermeidlich, bei dieser aber sehr verzeihlich ist Göthe II 8, 24 W.; so, so, sprach er, als ich ihn aus diesem leicht verzeihlichen irrtum zog, wirklich kein frauenzimmer H. Heine s. w. 3, 310 Elster; verzeihlicher wird in unseren augen diese verirrung, wenn die andacht sich auf bergspitzen erstreckt Peschel völkerkde (1874) 260; vor einem vierteljahrhundert ... war ein solcher irrtum (vom nomadentum der Germanen) verzeihlich Hoops waldbäume u. kulturpfl. (1905) 498. 2@bb) in hinsicht auf einen menschlichen fehler, einen mangel, eine schwäche u. dgl., 'entschuldbar, begreiflich'; vgl. verzeihen C 2 b β: fälle verzeihlicher ungeselligkeit Zimmermann üb. d. einsamkeit (1784) 1, XXII; sein fehler war ... derjenige, der bey einem privatmann der verzeihlichste ist, nehmlich zu grosse güte M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 1, 459; die hauptursache von dieser sehr verzeihlichen schwäche des groszen mannes Jung-Stilling w. (1835) 3, 8; des lauschers fürsorge, dasz ... eine verzeihliche schwäche des alternden herrn ihn nicht zum gegenstande frivolen gespöttes machen möge, ging in eifersüchtige zweifel über Holtei erz. schr. (1861) 8, 102; ... da er für seinen eigenen namen, den er so zierlich geschmiedet, eine verzeihliche vorliebe hegte G. Keller ges. w. (1889) 5, 81; und dann kommt noch die verzeihliche eitelkeit hinzu Fr. L. Jahn w. (1884) 2, 403; auch ihre schwächen blieben weiblich und darum verzeihlich Treitschke dt. gesch. (1897) 4, 418; ich habe mir wohl den vorwurf eines schwer verzeihlichen mangels an geduld und rücksicht zu machen, wenn ich so gleich bei ihnen eindringe Th. Mann Lotte in Weimar (1946) 54; und wenn sie (die menschen) in verzeihlichem leichtsinn, jugendlicher ungebundenheit, sich lieber gedankenlos treiben lassen, ... müssen sie es sich gefallen lassen, schmerzhaft zurechtgewiesen zu werden A. Zweig einsetzg. e. königs (1950) 121. 2@cc) ein verhalten, eine eigenart oder andersartigkeit des gegenübers betreffend 'verständlich, erträglich', vgl. verzeihen C 2 b γ: das talent würde einen erdrücken, wenn es ihre anmuth nicht verzeihlich machte Göthe IV 37, 176 W.; er, ... dessen grosses talent das streben nach glänzendem glück so verzeihlich macht Iffland theatr. w. (1827) 4, 95; ich kann ihn, seit ich dieses weisz, nie ohne sorge ansehn, und seine eigenheiten scheinen mir verzeihlicher sowie seine innere frische ... bewundernswerther als zuvor A. v. Droste-Hülshoff br. (1893) 75; nur dasjenige gefühl der freudigen behaglichkeit laszt uns in schutz nehmen, was bei dem dichter ... etwas erträgliches, verzeihliches, ja mehr als das — etwas rein menschliches ist Fouqué gefühle, bilder (1819) 1, 178. unmittelbar auf die person bezogen: es ist von jeher für eine wahrheit geachtet worden, dasz das schöne geschlecht in der jugend verzeihlicher als im alter Hertzberg Till Eulenspiegel (1779) 1, 57. mit besonderer betonung der umstände, die etwas verständlich und begreiflich machen: sein irrthum war allemahl in rücksicht auf sein zeitalter verzeihlich Lichtenberg verm. schr. (1800) 6, 101; schon zum dritten male müsse der bursche die paletten unverrichteter dinge abends wieder absetzen, und unter solchen umständen sei es wohl verzeihlich, dass er nicht gern ins atelier hinübergehe G. Keller ges. w. (1889) 2, 145; räumten ein, dasz in der jugendzeit lieben menschlich sei, sogar verzeihlich Gaudy s. w. (1844) 1, 148; sie hat sich in den sehr poetischen schwung geworfen, und nichts ist wohl verzeihlicher, da sie so jung ist (1783) Caroline 1, 70 Waitz-Schmidt. 2@dd) vom eigenen verhalten, mehr als erklärende rechtfertigung denn als entschuldigung, vgl. verzeihen C 3 d u. e: warum so früh, o gott! warum? zu kühn ist zwar schon diese frage, und nur der unersetzliche verlust macht sie verzeihlich Goekingk ged. (1780) 3, 249; sie sagen der beschreibung so vollkommen zu ..., dasz mein irrthum verzeihlich ist Schiller 14, 153 G.; ohne dasz ich jedoch aus verzeihlichem unglauben und daran geknüpftem eigensinn die vorstellung hätte ansagen und entscheiden wollen Göthe I 36, 4 W.; es handelt sich selbstverständlich nur um mich, der ich den sehr verzeihlichen wunsch habe, mich von einem häszlichen verdachte zu reinigen Spielhagen s. w. (1872) 2, 480; wenn ich nicht mit eben so viel enthusiasmus von Shakespeares vortrefflichkeiten sprach, ... so geschah das blosz aus der verzeihlichen ursache ... Ayrenhoff w. (1814) 2, 94; ich schwieg aus verzeihlicher schonung für mich und meinen mann Holtei erz. schr. (1861) 3, 220; ew. durchlaucht, es war verzeihliche unvorsicht, wenn ich ... Grabbe w. 3, 176 Bl.; es war wirklich verzeihlich, wenn ich nur noch flüchtig auf plakate achtete Klemperer l. t. i. (1949) 93.
8183 Zeichen · 170 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Verzeihlichadj, adv

    Campe (1807–1813) · +1 Parallelbeleg

    Verzeihlich , — er, — ste , adj . u. adv . verziehen werden könnend, und in engerer Bedeutung, leicht verziehen werden k…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    verzeihlich

    Goethe-Wörterbuch

    verzeihlich [bisher nicht publizierter Wortartikel]

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit verzeihlich

2 Bildungen · 1 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von verzeihlich 2 Analysen

ver- + zeihen + -lich

verzeihlich leitet sich vom Lemma zeihen ab mit Präfix ver-, mit Suffix -lich, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

Alternativen: verzeihen+-lich

verzeihlich‑ als Erstglied (1 von 1)

verzeihlichkeit

DWB

verzeihlich·keit

verzeihlichkeit , f. , substantivbildung zu verzeihlich. auf den verzeihenden bezogen ' neigung, bereitschaft zum verzeihen ': und auch dies…

Ableitungen von verzeihlich (1 von 1)

Unverzeihlich

Campe

Unverzeihlich , — er, — ste , adj . u. adv . nicht verziehen, nicht vergeben werden könnend. Ein unverzeihlicher Fehler. Die unverzeihlichst…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „verzeihlich". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 15. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/verzeihlich/dwb?formid=V06670
MLA
Cotta, Marcel. „verzeihlich". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/verzeihlich/dwb?formid=V06670. Abgerufen 15. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „verzeihlich". lautwandel.de. Zugegriffen 15. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/verzeihlich/dwb?formid=V06670.
BibTeX
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