verschatten,
verb. mit schatten bedecken. neues wort, in den ältern mundarten selten nachzuweisen. mnd.: de sunne was vorschadewet seventein dage. Eike. v. Repgow
zeitbuch bei Schiller-Lübben 5, 431;
nhd. überschatten
et umschatten,
sicut et verschatten,
unum et idem fere est cum beschatten,
obumbrare, opacare. Stieler 1740. 11)
ursprünglich: das zimmer wurde verschattet, die staarlanzette vorgeholt, und das kranke auge festgemacht. J. Paul 7, 18; worauf sie mit einem schmerzlichen ton, indem eine kleine thräne ihr blaues auge verschattete, sagte: .. Tieck 16, 228; sie richtete sich jetzt im sopha auf, so dasz ihr gesicht durch die grüne lampenglocke verschattet war. Heyse
kinder der welt 1, 10; das strohhütchen und der halb über die kleinen fäuste herabfallende schleier verschatteten das übrige.
im parad. 1, 239; das feine ohr, das von einer schweren dunklen flechte halb verschattet war.
buch d. freundsch. neue folge 241; sie war ganz schlicht gekleidet, mit einer weiszen schürze über dem cattunrock, ein weiszes tuch um den kopf gebunden, das ihre stirne verschattete. 90;
part. prät.: die untere hälfte des gesichts von einem starken schwarzen bart verschattet, der ihn sehr unkenntlich machte.
kinder d. welt 2, 358.
bildlich: den blick nach dem himmel könnt ihr nicht verschatten. Hippel 7, 135; die menschliche umhüllung schien wie eine verschattete wolke unter ihrer strahlensonne hinwegzufliehen und sie dünkte mich langsam gen himmel zu ziehen. J. Paul 16, 40; er konnte jetzt, soweit es die baumwipfel nicht verschatteten, die anlage des baues bequem überblicken. Heyse
werke 7, 359. 22)
übertragen, verdüstern, freudlos machen: seine strenge kunst selbigen (
den styl) nach maszgabe der personen, die er vorstellt und der sachen, die er behandelt und dessen, was er davon versteht und nicht versteht, zu erheitern und zu verschatten. Hamann 4, 305; und eben diese flucht vor hinterlist, eben seine jetzige gröszere menschenfreundlichkeit gegen Flamin verschatteten grade seine edle gestalt. J. Paul 9, 127; es kann meinen helden verschatten, wenn es auskommt .. dasz Victor nachmittags hinter dem kaplan und Appeln einen ehrenzug auf den krautacker hielt. 10, 105; daher verschattete damals einer (
grosze mann) den andern, der eine wurde nur zur elle der andern gebraucht. 18, 70; sein zweifel nahm jetzt so zu, dasz er endlich nicht so wol glaubte, dasz der kummer ihre liebe verschatte, als dasz sie gar keine habe, sondern nur dankbarkeit. 17, 80; du hast die zeit verschattet, wo der mensch am ersten morgensonne braucht, die jugend. 22, 178; die stunde verschattet, was jahrhunderte umleuchtete, und das thal verbirgt die erdkugel. 48, 29; nach jahrtausenden werden die erdbewohner von uns so verschieden in laster und tugend und einsicht weit abliegen als wir von Babyloniern und erzvätern: aber .. die unbedeutende kultur der jetzigen menschheit wird nicht den wundern und gesetzen der ungebildeten vergangenheit die wiederkehr oder fortdauer verbauen oder verschatten. 48, 31; die späterhin von zweck, erinnerung, vorsatz und vernünftiger absicht zu sehr verschattet wird. Tieck
nov. 1, 128
Br.; partic.: er (
der dichter) bedenke doch die jahrhundert lang fortdauernde gewalt sittlicher charaktere im gedichte, welche auszer denselben in engen zeiten und räumen und von irdischen verhältnissen verschattet, das herz nur mit halbem feuer treffen und wärmen. J. Paul 42, 75; Klotilde .. dachte: arme verschattete seele, die seufzer der musik dehnen dein sehnsüchtiges herz aus und du siehst nie, wen du liebst und wer dich liebt. 9, 233; mit welchem süszen untertauchen in träume that er, wenn es dem östlichen wehen entgegen ging, die augen zu, und zog das getöse der landschaft, ... gleichsam tiefer in die verschattete seele hinein! 21, 89 (
die verschattete seele ist das durch das augenschlieszen gegen das licht abgesperrte innere); nicht verschattet, nicht umwölkt, verdunkelt. Rückert 305.