urasz,
n., m.,
verschmähte überbleibsel von speise und futter, reste und geringwerthiges überhaupt. norw. dial. orætta,
schwed. oräte,
dän. oret;
mnl. ooraete, orete;
nl. ort;
mnd. ort,
nd. ort, ortels, urten;
engl. ort, ortels, oughts.
wort wie sache haben eigentlich immer auszerhalb des bereiches der schriftspr. gelegen; bei uns sind u.
und seine wortsippe heute ausgesprochene mundartenwörter geblieben, nur von schriftstellern gebraucht, die der mundart nahestehen; das engl. hat ort(s)
seit dem 15.
jh. in der schriftspr. bewahrt. die hauptsächlichsten formen sind uras Fischer
schwäb. wb. 6, 289; Loritza
idiot. viennense 137; Schacherl
Böhmerwald 41; Unger-Khull 611
b; ures Schiepek
Egerl. 277; uris Schmeller-Fr. 1, 134; urusz Unger-Khull 611
b.
bei stärkster betonung des präfixes wird die 2.
silbe völlig entwerthet und schwindet: urz, uirz, urze, orz Bühler
Davos 1, 285; 2, 17; Schuller 68; Andreä
Erfurter wörter sprachwart 1, 379; Reinwald 1, 114; Regel
Ruhla 275; Hertel 176; Wegeler
Coblenz 89; Schmidt
Westerwald 286; Gangler
Luxemburg 461; Haltrich 49
b; Kramer
Bistritz 137; ursch, urse, ursi Staub-Tobler 1, 469; Loritza 137; ursche Weinhold
schles. 102
b;
diminutivbildungen urzel, ürzchen, örzchen, urresjen, urresjer Frommann 6, 20 (
Eifel); Wegeler 89; Vilmar 426; Christa
Trier 209.
beliebt ist collectiver plur.: urasse Staub-Tobler 1, 499; urasen Fischer
schwäb. wb. 6, 289; urissen Schmeller-Fr. 1, 135; uräszen Schöpf 784; Hörmann
Tiroler volksleben 4; urszen, ursini Staub-Tobler 1, 469; urzen, urbsen Follmann 522
a;
nrhein. ourtzen
weisth. 4, 771 (1383); urzen, örtzen Haltrich 49
b; Gangler 461; oreser Crecelius 853; orsze Tonnar-Evers
Eupen 134
a; urten, ürten Woeste
westf. 282
b; Leihener 128
a;
vgl. engl. orts.
man erschlieszt ein ahd. *urâzi,
mhd. *uræʒe Staub-Tobler 1, 469,
ags. *oræt Murray 7, 1, 211
c,
germ. *uzâtion Falk-Torp 1411.
die bed. des zu grunde liegenden verbums g. *uzitan,
ahd. ureʒʒan,
mhd. ureʒʒen
wird als '
herausessen, vollständig zu ende essen, ausessen, zu essen aufhören aus überdrusz daran, eszbares wählerisch übriglassen'
aufzufassen sein; ur- C 5; Diefenbach
got. gl. 1, 103; Weinhold
dialektforschung 117;
schles. wb. 102
b; Staub-Tobler 1, 469.
bei urasz '
vielfrasz'
mag ur- C 4 a,
bei uräszig ur- C 3
gefühlt worden sein, da die bed. C 5
im sprachgefühl erloschen war: vom verstreuten heu, das vom vieh wählerisch verworfen, liechtmesztag heiter, nims uris auf die leiter Schmeller-Fr. 1, 134;
das vom ausgelesenen übrigbleibende schlechte, werthlöse und nicht zu benutzende: es war nur noch der urz Andreä
Erfurter wörter sprachwart 1, 379;
bund stroh Frommann 4, 189;
schütte stroh mit ausgefressenen halmen, die in der raufe gelegen hat Weinhold
schles. 102
b;
kerngehäuse des obstes Staub-Tobler 1, 469;
ausschusz, geringe ware ebda; reste beim tuchmachen Woeste
westf. 282
b,
beim spinnen Fischer 6, 290;
abfälle von scherben, steinen, holzstücken, die beim werfen der erde durch das sieb zurückbleiben ebda; urasen machen
possen, unarten treiben ebda; orz
gesindel Hertel
Thüringer sprachschatz 176.
literarische belege sind spärlich: armer lude vey up den hoff plach zu gain ind weyden dye ourtzen (1383)
weisth. 4, 771; essen ... van der ortzen, die usz den pertzstellen gewoirpen werden 4, 778;
zu der th. 5, 312
angeführten stelle der fastnsp. 2, 771, 9
hat R. Hildebrand
zustimmend die conjectur von Petters: urasen
statt vrasen
nachgetragen, das sich aber rhythmisch dem verse nicht fügt (
vgl. Göttinger beitr. 2, 23); mit ... rockenurschen (1590)
schles. Frommans
zeitschr. 4, 189; wie es mit den uraaszten (
abfall vom viehfutter) standt
quelle (1591)
bei Fischer 6, 290; wann der vogel sein nest, der fuchs oder dachs seine höle zurichten wil, so trägt er ... reiser, äste, urasen, haar, stro ... zusammen
quelle ebda. —