unthunlich,
thulich,
adj. ,
gs. zu thunlich, thulich (
s. d.).
nl. ondoenlijk.
für impracticabel Kinderling (1795) 277; Campe
verd. wb. (1813) 367
a die frühesten belege machen herkunft aus der geschäftsspr. wahrscheinlich; Sattler
phraseologey (1631) 382.
abseits bleibt unthüanli
sehr grosz von gestalt, riesig, ungeschlacht, roh Bühler
Davos 1, 181; 182,
gs. zu thüanlich
passend, angenehm, schicklich Bühler 285. 11) unthulich, thulich 1
entsprechend. impossibilis, molestus, difficillimus Stieler 2352. a)
unräthlich, incommodus, inopportunus, alienus: dan
s. f. g. solch vorschreibung zu geben, were von unnoten und untulich (1517)
acten der ständetage Preuszens 5, 613; solchen heubtbrieff ... uber land zu bringen, unthuelich und ungelegen were Machholth
formular (1560) 84
b; u. fallen Harsdörfer
secret. (1656) 2, 659; viel hundert anschläg ich erwöhlt und wieder fahren als hart, unthulich liesz Hohberg
Ottobert (1664) F 6
b; Lohenstein
Arm. 2, 1216
b; ungereimte, unthulige, ja schädliche dinge A. G. Spangenberg
apologet. schluszschrift (1752) 1, 17; verschiedene andere vorschläge waren als u. verworfen worden Wieland 27, 75
Gr.; dasz es gantz wider die verfassung dieser blätter, mithin unthulig wäre Lichtenberg
briefe (1901) 1, 291
L.; überhaupt aber muszte solche schluszlehre (
schluszfolgerung) u. erscheinen Auerbach 19, 222; es ist u., den prinzen zu seinem untergebenen zu machen G. Freytag
verlor. handschrift 2, 100.
substantiviert: die sache ist an den capellmeister gelangt, welcher das unthuliche vorgestellt hat Göthe IV 28, 18
W. b)
unausführbar, unmöglich: da es schwer, wo nicht ganz u. war Wieland 7, 284
Gr. c)
untauglich, nichtsnutzig: aber die widersacher haben nicht abgelassen, sonder für und wider Luther mit citieren, bannen und unthulichen schriften gefochten Melanchthon 2, 64
Br.; in der bed. dem nd. unduenig
unartig, schlecht, nichtstaugend (Woeste
westf. 280
b)
nahe; vgl. ein unthuner
der nichts gutes thut, ein unthuener mensch. Wegeler
Coblenz (1876) 89; unthue Schmidt
westerw. 285; ondujen
lux. wb. (1906) 314
a. 22) unthunlich (thunlich 2
entsprechend). a)
unangebracht, unrathsam, unpassend, unpraktisch u. dgl.: hab ich nit für unthuenlich geacht ..., sein ... testament hieheer nach lengs zu inserieren J. A. v. Brandis (1569—1629)
landeshauptleute v. Tirol (1850) 31; vielen solte diese sache u. und lächerlich vorkommen Harsdörfer
gesprechspiele 7, 232; allhier wurde ... geurtheilet, dasz derselbe (
ausfall) ... u., auch wieder alle vernunft und hoffnung einiges guten successes und vortheils wäre A. Olearius
insul Formosa 87; Schottel
haubtspr. 36; Hohberg
georgica (1682) 1, 355; viele werden den vorschlag ... für unüberlegt und u. halten Gottsched
das neueste 5, 265; Kant 3, 384
ak. ausg.; da nun hochdieselben die sache nicht ganz u. hielten, veranlaszte ich ... Göthe IV 40, 39
W.; Gutzkow (1872
ff.) 2, 40; die ausbildung im januar ... zu beginnen, ist ganz u. Wilhelm I.
milit. schr. 2, 187; G. Keller 6, 156; G. Freytag 1, 90; die androhung ... darf unterbleiben, wenn sie u. ist
bgb. 384, 3;
comparativ: je unthunlicher es mir schien, mein versprechen zu halten G. Keller 2, 36;
seltener attributiv: eine unthunliche sache Adelung; untunliche härte Fontane I 1, 87.
mit dat. der person: itzt etwas vorzuschlagen ..., were ihm u. Chemnitz
schwed. krieg 2, 20; 1, 444; dasz ein solches dir selber u. ist, bedauert er sehr mit mir Chamisso (1836) 5, 237;
häufiger mit d. präp. für: S. erwiderte, dasz das für ihn selbst u. sei Ranke
s. w. 25, 81;
hwb. d. staatswiss. 5
2, 229.
substantiviert: die klugheitsregel, aufs unthunliche nicht hinzuarbeiten Kant 5, 406
H.; das unthunliche einer zeitbestimmung Jac. Grimm
kl. schr. 6, 79; das bewusztsein des unthunlichen des ganzen verlaufes G. Keller 8, 107. b)
was man nicht thun darf: das gesetz ist ein dapfere rede, welche gebeut, was thunlich, und verbeut, was u. ist Lehmann
florileg. (1662) 4, 148; sie sagen unsägliche dinge und thun allerhand unthunliche thaten Baggesen 3, 252. c)
was nicht leicht thunlich ist, was man nicht gut thun kann: nach reiffer uberlegung dises schine es nicht gar so schwer und ohnthnlich zu sein, zwischen diesen beiden wissenschaften durch die vielfältige vergleichnusz einen heuraht gleichsam zu machen Carion
hall- u. thonkunst (1684) 1
a; J. G. Forster 9, 111;
χέφω zu sprechen, war nach griechischem lautgesetz u. Jac. Grimm
kl. schr. 2, 205; er hörte vorlesungen aller facultäten: denn noch waren die wissenschaften nicht so im detail ... ausgebildet, dasz dies u. gewesen wäre Ranke
s. w. 1, 274; 16, 263. d)
unausführbar, unmöglich: ich habe vor eine gewisse warheit erzehlen hören, dasz in vorigen ... zeiten solche fromen ... leute gewesen wären, dasz alle steine, die sie angerühret, in silber verwandelt wurden. duncket euch das wol eine frembde und unthunliche sache zu seyn? A. Olearius
pers. baumgarten 6, 11; eine fast schwere, ja unthunliche sache Kramer
seehelden (1681) 101; wie denn auch die intentionirte herausgabe des originals ... unräthlich, ja u. gemacht wurde Göthe 45, 221
W.; das sei aber sehr schwer, ja direct ganz u.
gespräche 6, 193
B.; ich will mit meiner wachsamkeit seine geheimniszvolle einsamkeit unterbrechen und ihm u. machen, was er im sinne hat maler Müller 2, 146; das dach (
war) zu hoch, um hinaufzugelangen, und daher ein einsteigen durch dasselbe ebenso u. H. v. Barth
Kalkalpen 370; Moltke 2, 100.
substantiviert: doch weisz ich, dasz A. allein das unthunliche thunlich ... machen kann Harsdörfer
Heraclitus u. Democritus 613. e)
was man nicht ausführt, also ungethan bleibt: unmöglich etwas halten, ist ein irrthum, der freilich manches schon unthunlich machte Rückert 15, 346.
dazu unthunlichkeit, -thulichkeit, f., gs. der thunlichkeit, -thulichkeit (
s. d.).
nl. ondoenlijkheid. unthulichkeit
impossibilitas, difficultas, incommoditas, gravitas Stieler 2352. unthun-
ò unthulichkeit Kramer (1702) 2, 1078
a (
die beiden formen sind im folg. nicht getrennt aufgeführt). unthu(n)lich
a entsprechend: einsichten von der unthulichkeit eines offenbaren angrifs Heilmann
gesch. d. peloponn. krieges (1760) 199; man würde besser thun, diesem gedanken mehr nachzugehen ... als ihn unter dem sehr elenden und schädlichen vorwande der unthunlichkeit als unnütz bei seite zu setzen Kant 3, 247
ak. ausg.; wir müssen doch wohl etwa in 14 tagen dem prorector etwas von der unthulichkeit der sache (
die Weimarer schauspielergesellschaft in Jena auftreten zu lassen) für den moment eröffnen Göthe IV 11, 174
W.; unthunlichkeit
in derselben verwendung IV 11, 137
W.; die unthunlichkeit einer solchen trennung Schleiermacher I 5, 34, des verbrennens Jac. Grimm
kl. schr. 2, 224, des unternehmens Moltke 2, 315; als K. die unthulichkeit (
mit dem unterricht zu beginnen) nachwies Auerbach 16, 56. unthulich
b, unthunlich
d entsprechend: selbst A. wollte lieber in die anscheinende unschicklichkeit verfallen, eine unthulichkeit von dem mahler zu verlangen, als das bild seines mädchens nicht mit reitz beleben Lessing 9, 131
M.; unthunlichkeit, manches zu sehen C. G. Carus
Paris und die Rheingegenden (1836) 2, 123.