gewächsig,
adj. u. adv. ,
in wörterbüchern wenig belegt, von Kehrein
onomat. wb. (1847) 756
als veraltet bezeichnet. Adelung (2, 642),
der einen beleg aus Opitz
anführt, giebt an, dasz es '
im hochdeutschen völlig unbekannt ist', Voss
merkt in seinem handexemplar von Adelungs
wb. den gebrauch als pfälzisch an. im 17.
und 18.
jahrhundert war das adjectiv ziemlich verbreitet, es erscheint in doppelter gebrauchsform und bedeutung: in beziehung auf die pflanzen und in beziehung auf die factoren, die das wachsthum der pflanzen beeinflussen, das einemal in der bedeutung '
leicht, rasch wachsend',
das anderemal in derjenigen von '
fruchtbar'.
in der älteren sprache liegt für jede der beiden in unserem worte vereinigten verwendungen eine besondere bildung vor: althochd. wahsmig
zu wahsamo (Graff 1, 690)
beschränkt sich auf die bedeutung fertilis, mhd. wehsic
in dem compositum mittelwehsic (
mhd. wb. 3, 463
a)
bezieht sich auf den wuchs. vgl. wächsig,
wächsicht (der haber ist gar ein wächsicht getreide. Coler
hauszbuch 264
b). 11)
vom wuchse der pflanzen, übertragen auch auf die thierwelt u. s. w. 1@aa)
als prädicat. 1@a@aα) reiszholz ist an ihnen selbst gewechsiger dann das nadelholz.
Neuburger forstordnung (1690) Schmeller 2
2, 839; der zweig musz frisch und gewächsig sein, den man abziehen und abröhrlen will. Hohberg 1, 546
a; wann er (
der hafer) nur mit dem frühlingsregen erquicket, und davon schön, dick und wolgewächsig wird. (1695) 2, 52
c. 1@a@bβ) wie man einem füllen den schopff mehnen, und schwantz gewächsig machen soll, dasz er ziemlich stark werde. Pinter
pferde-schatz s. 444
b (1688). 1@bb)
attributive verbindungen: sechstens weil augenscheinlich zu sehen, das die gmain so wollen was jenseits der Geyll über die pruggen alsz auch an diser seiten gelegen, nicht allein mit allerlei gstaid und dicken gestraisz verwaxen werdet, dasz hierdurch konftigen mangl an der waid zu besorgen, in gleichen auch die schödliche thür, als pern und wölf, zu töglichen raub ihr aufenthalt und wohnung darinnen fortan haben möchten, sondern auch mit allerhand schönen gewächsig, jungen stämblein, welche nach fleisziger pflanzung in weniger zeit zu einem sehr nuzlichen holzschlag erwachsen versetzt worden.
weidl. u. waldordn. der nachbarschaften Arnoldstein u. Gailitz (1644),
östr. weisth. 6, 448; das .. ein jeder nachbaur .. die kronabit stauden und alles schödliches gstraisz von grunt so vil miglich auszraiten, hinwek hacken, die jungen und gewachsigen stämblein aber tails, da sie gar zu dick wehren, hinwek hacken oder schwenden, tails aber bei der ert und oberhalb vleiszig auszschnaiten und auszbuzen, auf dasz sie zum gwachs desto geraumber haben und bequember sein.
ebenda 449; negst denn, söchstens, so ist eino zeit her diser missbrauch abödung deren bewaldungen eingeschlichen, wo man in denen gemainsbewaldungen von sölchen jungen und gewäxigen pämblen sogenante mörzen - scheiter zu machen pflöge.
dorfordn. von Taifen (1748),
Tiroler. weisth 4, 1, 539; wann die edlen und glatten wildlinge in der kernschul ein jahr oder anderthalbe gestanden, nimmt man die dickesten und gewächsigen heraus mit samt der wurtzen. Hohberg 1, 537
a; ein gewächsiger junger baum. Butschky
Patm. 576; die prügelwege erfordern das schönste gewächsige holz,
vgl. Schmeller 2
2, 839. is von einer gwahsinger art,
ein schlag von groszem wuchs. ebenda. 1@cc)
adverb: wann selbiger (
der frühhaber) wol und gewächsig aufgehet. Hohberg 2, 39
a. 22) gewächsig,
das wachsthum fördernd, fruchtbar. 2@aa)
als prädicat: du schwelst die bach, zerklopffst die schollen, und schenckst den furchen ein, damit die aecker, wie sie sollen, durchaus gewächsig sein. Opitz 65.
psalm (mit regen machstu es weich und segenest sein gewechse. Luther
psalm 65, 11),
vgl. Schottel 350
a. Adelung
u. andere; etliche arbeiten den acker 4 mal das er ja fein faule, mürbe und gewechsich werde. Colerus
hauszbuch 267
a; wer guten leinacker haben wil, der musz jhm ein gut nidrig land darzu erwehlen, das sonsten auch weitzen und gersten zu tragen pfleget, und gar gewächsicht ist.
s. 266
b. 2@bb)
attributive bestimmungen. 2@b@aα) ein schön gewächsig wetter. Michael Reinhart
einfält. bericht 1587; die zwilling sind warm und feuchte, darum erwermen sie sampt der sonnen die erde und geben der saat ein gut gewechsig wetter. Coler
calender 16.
vgl. wachsig wetter Tobler
Appenzeller wb. 437. 2@b@bβ) einen guten garten, darinnen es gut gewechsig erdreich hat. Coler 76.