Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
getwanc stMN.
1.1 ‘Drängen, Zwang, Gewalt’
1.2 ‘Bedrängnis, Not’ (vgl. getwenge stN.)
2 ‘Verengung, Engstelle’ (vgl. getwenge stN.)
3 ‘Bauchschmerzen, Verstopfung’
1 ‘Zwang, Druck’ (s.a. betwanc , betwinc ) 1.1 ‘Drängen, Zwang, Gewalt’ der chunich Hainrîch was ze den Nortmannen, / die er mit michelem getwange / der toufe getwanc Kchr 15791; her sluc her vnde dare / so dicke vnde so lange, / daz von sime getwange / die crichen liden grozze not Herb 10236; daz holz wider gît / sîn loup dem winder durch getwanc Georg 2043; si [ Lavîne ] warte, wanne Ênêas / zû quâme geriten, / des si unsanfte hete erbiten [erwartet] / mit grôzeme getwange [qualvoll (Anm.z.St.)] En 11377; Gen 2873; Eckh 5:290,7; SiebenZ 78; UrkHohenz 3,201 (a. 1349). – ‘Herrschaft, Bedrückung’ sich samnent manige fursten / wider unseren herren Cristen. [...] ir gedwanc scuͦle wir zebrechen, / ir ioch werfen wir zetal Rol 7718; in sîner êrsten vrîheit / wart al sîn vrîheit hin geleit: / der buoche lêre und ir getwanc / was sîner sorgen anevanc Tr 2085. 14416; nu ist ez an ein ende komen, dar nấch ie mîn hérze ranc, / daz mich ein edeliu vrowe hât genomen in ir getwanc MF:Eist 12:1,2. – von Gott ‘Allmacht, Herrschaft’ alle ding gar sunder wanc / zuet [l. ziuhet ] und meistert syn [Gottes] getwanc Hiob 3364; neigent úch under die almehtigen hant gottes, wan die viende von der helle muͤssent sich neigen und boͤgen [...] under dem herten getwange des almehtigen gottes Mechth 7: 52,4. – ‘Verfolgung’ ist oͧch daz deme schultheissen [...] duhein gevangene entran in den spittal, der nachvolgen was [Verfolgungen gab es] oͧch nuwen unce an des spittals dôr. hinin entâtent sie kein getwang UrkStraßb 2:99,7 (a. 1288). – ‘Acht, Bann’ (vgl. getwincnisse ): ez ist auch gesetzet, daz kain man niht langer in kainem getwange sein sol denne ain viertail iares NüP 140. 56 1.2 ‘Bedrängnis, Not’ (vgl. getwenge stN.): si chômen in daz lant durh hungers gedwanch, / si chômen fridelîchen, nieht wîchlîchen Gen 2152; der bluome [...] danne werde erlôst / von des strengen winters hant, / wan sô bristet sîn bant, / und stât danne den sumer lanc / schône ân allen getwanc HartmKlage 848; zwewir libi middilanc [zweier Leben Vermittlung; vgl. auch Freytag, SuTheol. S. 126ff.] / obini gnadi, undini gidwanc SuTheol 210; Rol 614; Kchr 15722; Flore 170; KLD:UvL 10:2,6; Vät 12892 2 ‘Verengung, Engstelle’ (vgl. getwenge stN.): reht sam der wein seugt auz ainem viehteinne väzlein und daz dâ verspunt ist, wann sô gêt der luft datz den engen nüeten [Ritzen] ein und seust in dem getwang BdN 108,30 3 ‘Bauchschmerzen, Verstopfung’ swenne den wîben wê ist [...] umbe den nabel oder an der geschaft, sô gewinnent si ein getwanch, daz si dunchet des, daz si niden sî zesamene gebunden Barth 133,11. 153,5; petersilge [...] loset den getwanc der da ist uon deme plademe [Blähung] in deme grozen darme SalArz 12,7; di daz getwanc habin di suln nicht baden biz si di darme gereinigint uon deme miste ebd. 25,51 u.ö.; Albrant 1,22
MWB 2 648,21; Bearbeiterin: Czajkowski