geistigkeit,
f. subst. zu geistig. 11)
schon mhd. geistekeit
bei Eckhart,
s. unter geistig 1,
a; dann im 17.
jh.: geistigkeit,
acumen, acies ingenii, mens sagax, intelligentia, vulgo spiritualitas Stieler 640,
darauf aber in den wbb. lange wieder fehlend, wie geistig,
s. d. 1,
c. in der von Stieler
angegebenen bedeutung braucht es Leibnitz, in der
ermahnung an die Teutsche, ihren verstand und sprache besser zu üben vom j. 1679: ich frage, ob ihre vorfahren wol auch der so hohen geistreichen sinne fähig gewesen .. alleine wir haben über unsrer (
heutigen) schriftler allzugrosze geistigkeit nicht zu klagen, es ist alles leider so irdisch und kriechend.
weim. jahrb. 3, 104,
deutlich als subst. zu dem vorausgehenden geistreich (
zu dem uns ja noch heute ein subst. fehlt),
wie man zu sinnreich
damals als subst. sinnlichkeit
brauchte, z. b. Wernike (1704) 21. 321. 365, falsche sinnligkeit 103,
d. i. falscher witz (
s. unter geist 24,
g),
leere geistreichelei. aber geistig
für geistreich gebrauchte wirklich Opitz (
nach dem nl.),
s. dort 1,
b. 22)
zu geistig 2,
z. b. vom wein (
als '
spirituosum'): ein guter wein soll einen angenehmen geruch, einen lieblichen geschmack
u. s. w. und endlich leichte, raschigkeit oder geistigkeit haben, dasz, wenn er eingeschenket wird, er kleine perlein aufspringen lasse.
öcon. lex. 2609; (
als) andere ohne geruch sind, welches ein zeichen, dasz sie wenig geistigkeit haben.
das.; weinessig ist ein verdorbener saurer oder seiner wärme und geistigkeit beraubter wein. 2621. 33)
zu geistig 3,
schon mhd. geistekeit (
s. 1,
a),
dann aber verschwunden und erst im 18.
jh. wieder auftauchend. 3@aa)
häufig bei Brockes (
vgl. geistig 3,
a),
aber in concretem sinne, von geistigen wesen selbst: doch die zu gottes ehr geschäft'ge geistigkeiten, die der gewächse pracht, den schmuck der büsch' und bäume vermutlich zubereiten, sind nicht, wie jene, leere träume.
ird. vergn. 1, 76 (74),
d. h. wie die nymphen, najaden, dryaden der heiden, er meint geistige kräfte oder wesen, die er sich in der ganzen natur und schöpfung wirkend denkt (
s. u. geist 11. 13),
wol im anschlusz an die leibnitzischen monaden: scheint unser cörper meist aus saiten zu bestehen, die, statt des ton's, der sonst aus saiten quillt, mit geistigkeiten angefüllt. 1, 414,
s. unter geist 13,
b vom nervengeist,
als geister,
lebensgeister gedacht unter 13,
d; wie dann vermuhtlich auch viel rege geistigkeiten, die aus dem licht in uns entstehn, auch wieder mit dem licht vergehn. 3, 669; wenn nicht in den welt- und himmeln kräft' und geistigkeiten wären, die an solchen durch die gottheit wunderbar formirten schätzen fähig wären sich zu laben, sich zu nähren ... 5, 296.
auch zusammenfassend im sing., vom embryo und seiner bildung: die adern, muskeln, hirn und herz .. bemühen sich zu leben und nebst der geistigkeit dem blut' den lauf zu geben. 3, 425,
bei Genest
im pl. des esprits
das. s. 424 (
s. u. geist 13,
d);
er spricht auch von mittelgeistigkeiten 9, 217.
ähnlich dann beim jungen Wieland,
zu dessen lieblingsdichtern ja Brockes gehörte, von Leibnitzens monaden: der stoff weicht scheu vor dir, die gränzenlosen weiten des (
dadurch) leergewordnen raums füllst du mit geistigkeiten.
die natur der dinge 3, 46,
d. h. das monaden-heer
v. 50, geistähnliche 94, die geist'ge schaar empfindender substanzen 31; das niedrigste geschlecht der regen geistigkeiten sind die, aus denen sich die körper ihm (
Leibnitz) bereiten. 3, 105; des schöpfers weise hand hat jede geistigkeit in einen leib gehüllt. 3, 499; mein satz erklärt zwar nicht die zeugung der ideen, und wie sie aus dem schoosz der geistigkeiten gehen. 3, 518.
ähnlich concret auch noch später: mir öffnet sich ein reich der geistigkeiten. Herder
zur lit. 19, 16; unsre edelste geistigkeit ist eine so ganz unentbehrliche maschine, dieses rad der vergänglichkeit zu treiben. Schiller IV, 311. 3@bb)
abstract, geistige art und natur: sie gleichen hierinn unsern sophisten, die immer mit dem hochtönenden wort wahrheit klappern, ob es ihnen gleich bei ihren müszigen speculationen nicht besser ansteht, als vor zeiten den jüngern des Cerinthus oder Marcion, die geistigkeit der engel zu affectiren. Wieland
sympathien (1758) 123; vorstellung von der undenkbaren feinheit, lichtheit, durchdringlichkeit und geistigkeit desjenigen weltcörpers .. der zum ewigen wohnsitz der christen bestimmt ist. Lavater
auss. 1, 275
u. ö.; die feinere geistigkeit, die dem geschöpf unter dieser glühenden sonne .. versagt werden muszte. Herder
ideen 2, 46; die verschiedenheit des wegs .. auf welchem alte und moderne, naive und sentimentalische dichter zu dem nämlichen ziele gehen, dasz, wenn uns jene durch natur, idividualität und lebendige sinnlichkeit rühren, diese durch ideen und hohe geistigkeit eine eben so grosze .. macht über unser gemüth beweisen. Schiller X, 475; wo wollen sie denn in der durchaus mechanischen endlichkeit mit dem blitze der geistigkeit einschlagen? J. Paul 27, 53; die hohe geistigkeit jenes irrthums, in den Spinoza führt. Fr. Schlegel 2, 172; so gedeiht auch das empfinden der geistigkeit des naturlebens zur nahrung des geistes. Bettine
tageb. 50; der gedanke aber ist nicht das wesentliche, wir könnten seiner entbehren, wenn er nicht für die seele der spiegel wär, in dem sie ihre geistigkeit erkennt. 55; wie mit der ersten einführung des hexameters eine neue fülle und geistigkeit in die sprache zurückkehrte. Vilmar
nat. lit. 2, 293.