fürstenthum,
n. 11)
der fürstenstand, die fürstenwürde, die würde die ein fürst im allgemeinen sinne dieses wortes bekleidet. s. fürst 2).
ahd. in eigentlicher zusammensetzung furistuom,
dann furstuom,
principatus. Graff 3, 627.
Diut. 3, 311.
N. ps. 70, 19.
dieses fällt in der form zusammen mit furistuom, vuristuom,
principium, anfang, beginn. Graff
ebenda. Diut. 3, 303 (
spr. Sal. 4, 7).
aber beide, welche aus ursprünglichem furisttuom
mit aufgehn des ersten t
erflossen und masculina sind, haben verschiedene entstehung, denn dieses letzte ist aus dem superl. furist,
der erste, und -tuom,
nhd. -thum,
jenes erste aus diesem und dem subst. furisto,
der fürst (
s.fürst sp. 841),
zusammengesetzt. mhd. würde vürstuom
zu erwarten sein, aber das wort war, wie es scheint, mit dem ausgange des ahd. erloschen, und es trat nun für jene eigentliche zusammensetzung mit dem subst. furisto
mhd., besonders aber mitteld. eine solche mit dem gen. sg., also eine uneigentliche ein: nâch wunsche hatte in got verlihen einen kaiserlîchen sun, geboren an daʒ furstendûn, dër was geheiʒen Lodewîg.
heil. Elis. 124; zwêne kunege (
Otto IV. und Philipp) geboren bêde an furstenduon. 311; wie si vor wirdekeide ir furstentuomes aller meist hëtte urlob unde volleist. 2019;
nhd. denn Juda der mächtig war unter seinen brüdern, dem ward das fürstenthum fur jm (
Ruben) gegeben.
1 chron. 6, 2; denn er hat Juda erwelet zum fürstentum und im hause Juda meins vaters haus (
der redende ist könig David). 29, 4. »
monarchia, ein fürstenthuomb oder ein einige herrschung oder regierung, da einer allein regiert, herr unnd gewaltig ist.« Frisius (1556) 834
a und danach Maaler 150
d. das höchste fürstentum im lande,
monarchia, summa rerum potestas. Stieler 586,
doch zeigt sich hier zugleich die folgende bedeutung. 22)
die dem fürsten zukommende obergewalt. mitteld. dër (
Hermann) sider an das furstendûn nâch sînem vader uffer stat an di hêrschaf aber drat, daʒ ër lantgrâve wart genant in Duringen unde in Hessen lant.
heil. Elis. 2190.
mhd. die peinen varnt niht an ir waid gemainclich, ëʒ var dann dër küng dës êrsten auʒ und halt daʒ fürstentuom in dëm flug. Megenberg 290, 32.
nhd. denn ich bin gewis, das (
dasz) weder tod noch leben, weder engel noch fürstenthum, noch gewalt ... mag uns scheiden von der liebe gottes.
Röm. 8, 38; jr seid volkomen in jm, welcher ist das heubt aller fürstenthum und oberkeit.
Col. 2, 10.
von einer höhern stufe der engel, wobei fürst 11)
zu vergleichen ist: auff das (
dasz) jtzt kund würde den fürstenthümen und herrschafften in dem himel, an der gemeine, die manchfeltige weisheit gottes.
Eph. 3, 10; auch die engel, die jre furstenthum nicht behielten, sondern verliessen jre behausung, hat er behalten zum gerichte des grossen tages, mit ewigen banden im finsternis.
Jud. 6; und hat ausgezogen die fürstenthum und die gewaltigen und sie schaw getragen öffentlich.
Col. 2, 15. 33)
der bezirk in dem der fürst die ihm zukommende obergewalt ausübt, ein von einem fürsten oder einer fürstin regiertes land, ein land das, da an ihm die einem fürsten zukommenden rechte haften, den besitzer zum wahren fürsten macht. s. fürst 2).
mitteld. sîn furstentuon was alsô wît, dës hërren, daʒ ër lange zît under wîlen ûʒe bleip.
heil. Elis. 2091; daʒ unrëcht, daʒ sô Mestowîn dën brûdrin und dëm ordne sîn mit gewalt hatt ûfgeleit an dën drîn teilin vorgeseit dës vurstintûmis. Jeroschin 17672.
nhd. umb des lands sunde willen werden viel enderunge der fürstenthume.
spr. Sal. 28, 2; und ich hielt sie (
die weisheit) thewrer, denn königreich und fürstenthum.
weish. 7, 8,
woher sprichwörtlich die weysheit höher, als ein fürstentum, halten,
sapientiam sceptris et soliis anteponere. Stieler 586; er zerbricht feste stedte und zerstöret fürstenthüme.
Sir. 28, 17; das (
dasz) ein fürst lieber solt drey fürstenthum verlieren. Luther 6, 4
a; in unsern fürstenthumben und gebieten. 5, 101
b; nach dem der ausgetrieben satan itzt eyn iar odder drey ist umbher gelauffen durch dürre stette und ruge gesucht und nicht gefunden, hat er sich ynn e.
f. g. fürstenthum nydergethan und zu Alstett eyn nest gemacht.
dessen eyn brieff an die fürsten zu Sachsen (
Wittemb. 1524) A ij
b; mich wundert, das hertzog Georg ein solch schendlich lügenbuch zu Dresen leidet, der doch so frum sein wil, das er auch jnn frembden furstenthumen kein böse buch leiden wil.
dessen widder den meuchler zu Dresen (
Wittemb. 1531) B iiij
a,
s. Ph. Dietz 1, 759
a b.
im besondern aber: das landgebiet eines fürsten im engsten sinne dieses wortes. s. fürst 9).
diese bedeutung ist heute die fast allein noch vorkommende. der ander artickel begreifft die fürstenthum.
reichsabschied 1521 §. 22,
vgl.§. 23—28; wie gros were aber das, so ein könig oder fürst einem armen bettler ein graffschafft oder fürstenthum schenckete. Luther
das 14.
u. 15.
cap. s. Johannis (
Wittemb. 1538) ooo ij
b,
s. Ph. Dietz 1, 759
a; dieweil fraw Thorheit obgemelt so gar hat überhand genummen in königreichen, fürstenthummen. H. Sachs II (1591). 2, 8
b; die hauptquell aller unruhe ..., dadurch königreich, fürstenthumb und länder geändert, umbgekehrt, verwüstet ... werden. Schuppius 17; allen königreichen, provincien, fürstenthumben, allen und jeden republicken bekandt. 414; königreiche, fürstenthume, länder, städte und provincien werden mit schreibfedern, helmen und lantzen regieret. 424; wenn händel vorhanden sind, daran kaiserlicher majestät und dem reich viel gelegen ist, dasz es königreich, fürstenthum, herzogthum und anders betrifft, so kann euch kein mensch zusammen bringen. Göthe 8, 80 (
Götz 3); der prinz von Weimar rüstet sich mit kraft, am Main ein mächtig fürstenthum zu gründen. Schiller 352
a (
die Piccol. 4, 4). die fürstenthümer Reusz. das fürstenthum Liechtenstein. das fürstenthum Lübeck.
Der bereits im 17.
jh. von Schottelius 314
und Bödiker 57
bei fürstentuhm
angegebene pl. des wortes ist der auf er: fürstentühmer, fürstenthümer,
der dann im 18.
jh. allein gilt. aber im 16.
jahrh. findet sich, wie die angeführten stellen zeigen, der pl. fürstenthum, fürstenthumb, fürstenthume,
mit unorganischem umlaut fürstenthüme,
und jene drei formen erhalten sich noch bis tief ins 17.
jh., was schon durch die stellen von Schuppius
belegt wird.